title: sit inmunis et liber
Die Palmsynode beschließt, dass der Bischof von Rom nicht von Menschen verurteilt werden kann (zu inmunis s. TLL, 7,1, IIB Sp. 507: de vacatione culpae vel reatus) und spricht ihn daher von allen Vorwürfen frei, indem sie das Urteil an Gott delegieren.
Es handelt sich hier um das erste Mal, dass eine Synode über einen Bischof von Rom urteilen soll und somit auch um das erste mal, dass das, was Gelasius I. bereits in einem Brief (ep. 10, 5, ed. Thiel, 344, s. Anm. 43) formuliert hat, als eine Art Urteil gesprochen wird, nämlich dass der Papst von niemandem verurteilt werden darf. Duchèsne, L’eglise, S. 120 verwendet für das Urteil die Wendung ‚une absolution par contumace‘. In den sogenannten symmachianischen Fälschungen findet sich im fiktiven Urteilsspruch für Papst Sylvester die gleiche Aussage wie bei Gelasius, dass der Bischof von Rom von niemandem verurteilt werden darf, da der römische Bischof den Iurisdiktionsprimat über alle anderen Bischöfe habe. In dem fiktiven Protokoll der Sylvestersynode wird selbst der Kaiser ausgeschlossen: Sylvestersynode, Wirbelauer, 246: Nemo enim iudicabit primam sedem, omnes sedes a prima sede iustitia desiderunt temperari. neque ab augusto, neque ab omni clero , neque a regibus, neque a populo iudex iudicabitur. In dem Protokoll der Palmsynode hingegen wird nicht postuliert, dass der König nicht Recht sprechen dürfe. Im Gegenteil: Der König wurde von den Bischöfen gebeten, die Verhandlung selbst zu leiten und Recht zu sprechen, was Thedoerich ablehnte, s. Komm. palm. 11a