title: qui contra religionem, contra statuta vetera vel contra regulas maiorum
Symmachus sieht die Forderung eines visitator des Klerus und als einen Verstoß gegen die Religion, die alten Statute und die Regeln der Alten. Es ist nicht zu ermitteln, welche unterschiedlichen Verstöße, die Symmachus vorbringt: ‚gegen die Religion, die Statute und die Regeln der Alten‘ hier genau gemeint sind. Vielmehr scheint es so, dass Symmachus hier ein neues Selbstverständnis des Bischofs von Rom, stilistisch gestützt durch einen Hendiadioin, zum Ausdruck bringt. Hören wir noch bei Kaiser Honorius (s. Komm. Palmsynode 7a) keinen Einwand gegen den visitators, so stellt es Symmachus in dem Protokoll der Palmsynode als einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Tradition dar, dass ein visitator gefordert wurde.
Im Libellus §82-83 finden wir die Aussage aus dem Protokoll der Palmsynode im Vorwurf der Gegner des Symmachus wieder, dass Symmachus mit seiner Forderung, der visitator solle aus der Synode entfernt werden, den König beleidigt habe. Interessant ist nun, dass Ennodius dieser Sicht, dass die Einsetzung des visitator unrechtmäßig sei, widerspricht, indem er behauptet, dass Theoderich mit der Einsetzung des visitator den Papst habe schützen wolle und damit die Rechte der Kirche bewahren wolle, dass er also die Einsetzung als solche nicht beanstandet. Es bleibt die Frage, ob sich Symmachus, der die Entfernung des visitator fordert und Ennodius, der die Einsetzung des visitator als eine gute Tat Theoderichs beschreibt, in diesem Punkt widersprechen. Ohne dies beantworten zu können, sei jedoch darauf hingewiesen, dass es einen Unterschied zwischen der Aussage der Gegner des Symmachus und des Symmachus selbst gibt. Die Gegner behaupten, dass Symmachus sich gegen die Einsetzung (adtributus visitator) ausgesprochen habe. Symmachus hingegen hat laut Protokoll gesagt, dass die Forderung eines visitator von Seiten der Kleriker und der Senatoren gegen die Regeln der Kirche gewesen sei. Im Libellus wird der Gegenseite des Symmachus vorgeworfen, dass sie den visitator auf ihre Seite gezogen hätten und ihn davon abgehalten hätten, dass er zu Symmachus in der Peterskirche geht, wie es ihm laut Libellus §84 aufgetragen worden sei, und ihm so nicht nur die Begegnung mit Symmachus verwehrt hätten, sondern auch den Besuch des Petrusgrabes: Libellus §88-89.
Es scheint so, dass das Protokoll und der Libellus viel Wert darauf legen, dass Theoderich nicht kritisiert wird und gleichzeitig den Bischöfen und Senatoren gezeigt werden soll, dass es ihnen nicht zusteht, Maßnahmen gegen den Papst zu ergreifen. Zur Frage des visitator s. auch kom_palm_7a.