title: Theoderici
Theoderich hat die Synode wegen Anklagen gegen Symmachus einberufen, was folgende Quellen belegen: Der sogenannte Libellus pro synodo des Ennodius, der sich gegen die Vorwürfe wehrt, die in einer Schrift Libellus contra synodum gegen diese Synode und vor allem gegen ihren Ausgang erhoben wurde, die nicht überliefert ist, gibt vermutlich Punkt für Punkt die Argumente der Symmachusgegner wieder. Einer der Vorwürfe war, dass nicht alle Bischöfe zur Synode gekommen seien und dabei wird erwähnt, dass es sich um ein Konzil handelt, das die Autorität des Königs einberufen habe, wobei nicht alle diesem Ruf gefolgt seien: Libellus §9. Die Praeceptio III §3 belegt ebenfalls die Einberufung durch Theoderich, da er in ihr verfügt, dass die Bischöfe zu der Synode zurückkehren sollen, die bereits früher einberufen worden war. Auch die Praeceptio IV §4 belegt das, wenn Theoderich schreibt, dass er geglaubt hatte, dass es das beste für den Frieden der Kirche sei, die Bischöfe zu einer Synode zusammenzurufen, nachdem der Senat und der Klerus bei ihm Klagen gegen Symmachus vorgebracht hatten. Im FL 1v steht, dass die Synode, die auf Befehl des Königs einberufen worden war, nach der Feier des Osterfestes zusammenkam. Theoderich sei dabei dem Wunsch des Senats und des Klerus nachgekommen, die nach der Feier des Osterfestes eine gerichtliche Untersuchung der Ausschreitungen des Symmachus gefordert haben;
anders stellt es wiederum der Liber pont §4 dar, nach dem Symmachus selbst eine Synode mit 115 Bischöfen einberufen habe, die ihn von allen Anklagen freigesprochen habe.
Nach Girardet, Kaisertum 482 ruft Theoderich als oberster iudex wie zuerst Konstantin I. mit den Reichskonzilien im Donatistenstreit 313 die Synode nach Rom ein. Die Rolle des Herrschers in Bezug auf Streitigkeiten des Klerus zeigt sich in den Dokumenten zur Doppelwahl in Rom 378 unter Damasus. 366 waren Damasus und Ursinus zum Bischof von Rom gewählt worden. Damasus, der sich durchgesetzt hatte, wurde daraufhin wegen Mordes angeklagt und hätte durch das Urteil des praefectus urbis zum Tode verurteilt werden können, wurde jedoch nach der relatio ad principem von Valentinian I. freigesprochen. 378 beschwerte sich ein Konzil in einer Petition an die Kaiser Gratian und Valentinian II., dass Damasus gegen CTh_16,2,12, was bestimmt, dass jeder angeklagte Bischof von einem Kollegium anderer Bischöfe angehört werden muss, der Prozess gemacht wurde, ohne dass ein synodales Urteilsgericht beteiligt gewesen wäre. Damit – so heißt es in der Petition – sei dem Bischof von Rom nicht das zugekommen, was anderen Bischöfen ermöglicht wurde, nämlich ein öffentliches Verfahren unter kirchlich-synodalem Mitwirken: Synodalpetition Kap. 10, ed. Zelzer, CSEL 82, 3 (1982), S. 196, Z. 124ff.: memoratus frater noster Damasus … non fiat inferior his quibus etsi aequalis est munere, praerogativa tamen apostolicae sedis excellit, ut iudiciis publicis videantur esse subiecti, quibus sacerdotale caput lex vestra submovit. Das Konzil habe daher den Kaisern vorgeschlagen, dass dem Bischof von Rom ganz nach den exempla maiorum das Recht zugestanden wird, dass er vor ein kaiserliches Gericht treten darf, wenn er einen Beschluss von geistlicher Seite für falsch hält: Synodalpetition Kap. 2, ed. Zelzer CSEL 82, 3 (1982), S. 197, Z. 139-149: Accipite aliud quoque, vir sanctus (sc. Damasus) vestrae magis conferre pietati quam sibi praestare desiderat nec derogare cuiquam sed principibus arrogare, quoniam non novum aliquid petit, sed sequitur exempla maiorum, ut episcopus Romanus, si concilio eius causa non creditur, apud concilium se imperiale defendat ; nam et Silvester Romae a sacrilegis accusatus apud parentem vestrum Constantinum causam propriam prosecutus est, et de scripturis similia exempla suppeditant, quod cum a praeside sanctus apostolus vim pateretur, Caesarem appellavit et ad Caesarem missus est.
Steht die Einberufung der Synode durch Theoderich somit in der beschriebenen Tradition, markiert der Brief des Gelasius an Kaiser Anastasius 494 (Gelas. Ep. 12 Thiel = JK 632) doch eine entscheidende Wende in der Wahrnehmung der Bedeutung des Bischofs von Rom und zeigt einen Widerspruch zu genannter Rechtspraxis. Gelasius sprach darin von zwei Mächten, welche die Welt regierten. Die geistliche Macht sei dabei der weltlichen übergeordnet, da sie beim Gottesgericht auch für die weltlichen Herrscher Rechenschaft ablegen müsse. Daher habe sich der Kaiser trotz seines weltlichen Vorrangs den Bischöfen zu unterwerfen, da er von ihrem Urteil vor Gott abhängig sei. Daher dürfe er in Fragen, die der geistlichen Welt zuzuordnen sind, nicht bestimmen: Gelas. Ep. 12 Thiel = JK 632: _Duo quippe sunt, imperator auguste, quibus principaliter mundus hic regitur: auctoritas sacrata pontificum, et regalis potestas. In quibus tanto gravius est pondus sacerdotum, quanto etiam pro ipsis regibus hominum in divino reddituri sunt examine rationem. Nosti etenim, fili celmentissime, quod licet praesideas humano generi dignitate, rerum tamen praesulibus divinarum devotus colla submittis, atque ab eis cauas tuae salutis exspectas, inque sumendis coelestibus sacramentis eisque ut competit diponendis, subdi te debere cognoscis religionis ordine potius quam praeesse, itaque inter haec ex illorum te pendere iudicio, non illos ad tuam velle regidi vountatem. Möglicherweise kann mit diesem neuen Verständnis der Bedeutung des Bischofs von Rom, das zuerst nur der Idee nach in Gelasius‘ Briefen besteht, erklärt werden, warum Theoderich Symmachus nach seinem Einverständnis zur Einberufung der Synode gefragt hat. Auffallend ist sicher, dass die katholischen Bischöfe akzeptiert haben, dass Theoderich als Homöer und damit in den Augen der katholische Kirche eigentlich ein Ketzer eine Synode einberief. Hier zeigt sich ein pragmatischer Umgang der italienischen Bischöfe mit der weltlichen Macht, der sie offensichtlich am ehesten zutrauten, dass sie den Streit um den rechtmäßigen Papst unparteiisch löst. Der Kaiser und alle anderen Patriarchen waren damals nämlich wegen Akakius im Schisma mit Rom.