Libellus_dt

  1. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes
    Eingabe gegen diejenigen, die sich angemaßt haben, gegen die Synode zu schreiben ^ad237c
    Den Wunsch zu reden pflegt das Verlangen nach vielerlei Dingen hervorzubringen: Wenn der Geist gierig nach Lob ist und sich danach sehnt, die Gunst durch Schweiß zu erkaufen. Oder wenn er wegen der Schmeichelei des Ruhms das Kreuz des Erzählers nicht kennt. Oder wenn er, gebunden mit den Fesseln des Gewinns, den Gehorsam der Zunge verkauft und, während der Geist, unterjocht durch die Begierde zu besitzen, glaubt, den erstrebten Vorteil (bereits) zu besitzen, die wegen der Übung der Feder drohenden Gefahren nicht zu fürchten versteht. 
  2. Oder wenn er, eingeschlossen durch eine Notwendigkeit, eine verkrüppelte Rede vorträgt ohne jede Feile und (dabei) öffentlich eine Stirn zeigt, die keine Scham kennt, damit er, während er seiner Absicht dient, der Sorgfalt der Zierde abschwört, da der Schmuck nicht zum Geschäft, sondern zur Ruhe gehört, und verzierte Worte nicht zum Kriegsdienst, sondern zur Muße. Das Schlachtfeld fordert einen tüchtigen Mann, der tiefe Friede einen bekränzten. Wer vorträgt, was nützen wird, verachtet die Rede, die mit dem Pinsel der Kunst bemalt worden ist. 
  3. Weil sich das so verhält, reiche ich den Grund (causa) der Darstellung ein und empfehle die erzwungene Stimme der Bösen mit Gebell dem Sinn der Frommen, wobei ich daran erinnere, dass geschrieben steht (Eccl. 3, 7): ‘eine Zeit zu schweigen, eine Zeit zu reden’, oder nach der Verläßlichkeit des prophetischen Orakels an das Beispiel eines gewissen Redners (Cic. De or. 1, 112), der berichtet, der Anlaß zu reden sei dann, wenn er nicht notwendig sei, in hohem Maße unpassend. 
  4. Daher übergebe ich den Dienst des Mundes nach der Kraft meiner Begabung den Priestern, gegen die das Gift zischender Zungen verspritzt worden ist, wenngleich die fromme Geduld, gewappnet mit dem Schild des Glaubens, den Sturzregen der Spieße nicht fürchtet und Geschosse, die ohne die Kunst zu kämpfen geschleudert werden, zu ihren Urhebern zurückkehren. Denn diejenigen, denen Christus als Brustpanzer dient, fürchten keine Gewalt und werfen ihre Feinde durch langes Abwarten zu Boden. 
  5. Wer aber wird glauben, dass der Kampf in dieser Schlacht Furcht einflößt, in welcher Gott und den Bischöfen (pontifices) ohne Abschätzung der Kräfte ein Wettkampf aufgedrängt wird? Wer sieht den haltlosen und herausfordernden Feind und fürchtet in Sachen des Kampfes den schwachen Gegner? Es mißgönnt sich selbst den Sieg, wer unterläßt, den Feind anzugreifen, der im Gewissen bereits verwundet ist. 
  6. Es rückt zum Nutzen seines Feindes vor, wer bei Zusammenstößen nicht früher die Gründe als etwas anderes abwägt. Die Unschuld gibt den Wurfgeschossen Kraft; der Wunsch zu kämpfen schärft die Schwertspitze, wenn er aus Billigkeit stammt. Gerechter Schmerz hat, wie wir wissen, mehr Wucht zu durchbohren verliehen als die Arme. Daher hält die Überzahl den Geschossen der Wenigen nicht stand. Wenn ich daher mit dem Propheten (4 Reg. 6, 16) sage: ‘es sind mehr mit uns als mit jenen’, so werde ich, soweit ich urteilen kann, ein Werk beginnen, das den Guten gefallen wird. 
  7. Es würde eigentlich genügen, dass die schismatische Unwissenheit mit ihrem Vorhaben (propositio) gescheitert ist, zumal die Vorwürfe ihre Antwort bei sich haben und (bereits) der Titel verdient, ohne Diskussion des Textes mitsamt seinem Autor verurteilt zu werden, da schon in der Vorbemerkung die Bedeutung des unreinen Werkes deutlich wird, wenn sie sagen:
    ‘Gegen die Synode des ungereimten Freispruchs’. 
    Ich aber werde nun so vorgehen, als ob es nötig wäre, dass derjenige, der üble Vorschläge macht, durch ein fremdes Schwert zugrunde geht. Kann man diesen Vorspruch, ihr Menschen bar jeden Verstandes, allein der Unwissenheit zuschreiben? 
  8. Gibt es außer euch jemanden, der in dieser Weise zu den räudigen und umherirrenden Schafen gezählt werden muss, der die große Herde der Hirten hätte herausfordern können? Dabei sagt der Prophet (Jes. 1, 2): ‘Ich habe Kinder großgezogen und erhöht, sie selbst aber haben mich verachtet’; und der Herr (sagt) über die Apostel (Luc. 10, 16): ‘wer euch verachtet, verachtet mich’. Dass diese Bischöfe waren, bezeugt der Prophet (Ps. 108, 8), indem er über Judas sagt: ‘und sein Bistum soll ein anderer bekommen’; ebenso ruft der Apostel Paulus (Hebr. 13, 17) aus: ‘gehorcht euren Vorgesetzten, denn sie werden für euch beten’.
  1. Doch wollen wir zu der schwerwiegenden und verehrungswürdigen, nicht bloß aus der Achselhöhle hervorgezogenen, sondern giftigen Behauptung zurückkehren. ‘Nicht alle Priester’, sagen sie, ‘hat die Autorität des Königs zum Konzil beigezogen, und nicht alle haben am Urteilsspruch mitgewirkt’.
    Ihr Sklaven des Tartarus und offenkundig Diener Satans! Wen auch immer das Schreiben (scriptum) des Königs nicht eingeladen hat, (den) hat die Rechtssache (causa) durch neue Verwicklungen und Windungen eurer Handlungen herbeigezogen.
  2. Ich will nicht sagen, was ihr Wunsch war, bei welcher Beratung sie sich entfernten, wem jenes Abwarten Überdruss bereitete, als sie sahen, dass der ehrwürdige Vater (papa) in seinem Leben lange Verzögerungen gegen sein Recht akzeptiert hat. Sie sahen, dass nur der Äther von den Geschossen getroffen wurde, die sie schleuderten. Damit es diesen Unglücklichen nicht erlaubt sei, zum Trost für ihre üblen Taten im Geheimen verborgen zu bleiben, entkleidet ihr in euren Büchern der Verborgenheit und laßt ihnen in ihrer schändlichen Tat nicht den Besitz der Einsamkeit, obwohl Gott in den Evangelien (Joh. 3, 20) spricht: ‘jeder Böse hasst das Licht’.
  1. Danach behauptet ihr, man habe diejenigen nicht Gegner des Papstes nennen dürfen, die den Vorgenannten durch Vorlage von Petitionen anklagten, wobei ihr zum Beweis dieser Behauptung anfügt, dass die Anordnungen des Königs sie nicht bei diesem Namen genannt hätten.
    Oh ihr Männer, die ihr mit der jeder Feile der Kunst gebildet und in den Öfen der Handwerker ausgekocht seid, die sich zum Gelöbnis ihrer Aussagen mit Schweiß bedeckte Zeugnisse ausgedacht haben! Wir lieben, schätzenswerte Männer, eure Ansicht (sententia), und wir treten dieser, wie man sagt, mit den Füßen bei. Wir erkennen als falsch, was ihr sagt: 
    ‘Soll einer den Ankläger Feind nennen und mit tragischem Namen den bezeichnen, der diese Schmähung nicht verdient?’ 
  1. ‘Die römische Bürgerschaft ist Zeuge, ob alle Bischöfe als Greise und altersschwach zusammengekommen sind’.
    Sieh’ da, eine Rede, die sich auf die Fasern der Wahrheit stützt und an Glanz der Formulierung selbst einem Cepasius vorzuziehen ist! Also: Weil sie gesagt haben, sie seien dem ==Alter nach kräftig ==und dem Körper nach schwach, bezeugen sie selbst, ungeeignet für ein Gericht zu sein, da sie gesagt haben, sie erduldeten bereits Verluste der Glieder, zumal sie sich angemaßt haben, dies dem höchst milden Herrn zu Gehör zu bringen.
  1. GegenrGlaubt ihr, von jedem Anblick Gottes vertrieben, dass nach der Gewohnheit eurer Treffen überall Geschichten verbreitet worden sind und beim Herrscher über die Versammlung der Bischöfe (pontifices) andere eine Rede vorgebracht haben als diejenigen, die ihr reifes Alter zu Urhebern der zu haltenden Rede machte, denen ihre alten Jahre Ehrfurcht einbrachten, von denen man glaubte, sie seien durch die Fürsprache ihrer Verdienste so lange bewahrt worden? Es hätte sich geziemt, dass sich diejenigen selbst über die Erschöpfung eines drückenden Alters beschwerten, denen das Alter befohlen hatte, Aussagen zu machen. 
  2. Beste Männer, ihr habt hinzugefügt: Aus den Anordnungen des Königs sei der Grund (causa) für die Vorladung (evocatio) bereits entschieden gewesen und man habe denjenigen, der die Geschicke Italiens lenkt, nicht wie in einer neuen Angelegenheit konsultieren dürfen; man schulde Text und Schrift (charta et scriptio) der Religion mehr Respekt als der Präsenz des Fürsten (praesentia principalis). Folglich war für die vorgenannte Angelegenheit kein Titel geblieben, zu dessen Untersuchung man, einmal gekommen, jene Einleitung mit Recht vortragen konnte.
  3. Darauf schweift ihr ab, indem ihr die Liebe des Königs zu guten Taten rühmt und mit Worten eine Unschuld ehrt, die ihr in euren Taten nicht kennt, wenn Verehrung (cultus) in eurer Rede liegt, die ihr mit einer rostigen Pflugschar aufreißt, gleichsam einen Pflug auf Abwegen führend, indem ihr der schlaffen Erde Lolch anvertraut, um für diesen Aufwand Spreu zu erhalten, mit dem das Feuer der Hölle zu eurem Verderben angeheizt wird.
  1. Jetzt aber, wie einer gesagt haben soll (Verg. Aen. 4, 371), ‘Was soll ich zuerst  bringen?’ Ihr sagt,  gegen den Apostel seien die Gegner des höchsten Bischofs (summus pontifex) nicht gehört worden, die, eingedenk ihres himmlischen Mandats, ihren Teil von der Gemeinschaft mit dem Ehebrecher abgezogen hätten. Hier greife ich nicht eure Unwissenheit an, und ich verklage nicht euer lückenhaftes Gedächtnis. Ich will nicht sagen, dass ihr die Worte des Propheten mit dem Apostel verglichen habt, da ich weiß, dass auch sie selbst zu Recht Apostel genannt zu werden pflegen, deren Mission ich nicht bestreite. David nämlich sagt (Ps. 49, 18): ‘du sahst den Dieb und liefst mit ihm; deinen Anteil legtest du zu den Ehebrechern’. 
  1. Wer dürfte sich über diese eure Frage deutlich ausdrücken, wenn ihr sagt:
    ‘Wenn Vorwürfe erhoben werden, gilt das, was nicht ausgeschlossen wird, als angenommen?’
    Wahrlich, ein Ausspruch, der zu Soldaten (milites) der römischen Kirche paßt: Man weiß nicht, ob man mehr den Glanz oder den Geschmack rühmen soll. Glaubst du, ihr hört auf das Gesetz (lex): ‘Was gerecht ist, sollst du auf gerechte Weise erlangen? (Deut. 16, 20)’?  Habt ihr von den Missetaten der Menschen gehört, falls euch denn einmal das Gespräch mit Menschen gefesselt hat, dass das, was nicht durch die eigenen Ordnungen gebilligt wird, ausgeschlossen werde? Wo ist jenes Wort des Propheten (Jes. 3, 14): ‘der Herr wird zum Gericht kommen mit den Ältesten seines Volkes’? Und über euch ist gesagt (Jes. 3, 9): ‘ihre Sünde haben sie wie die Sodoms gerühmt: wehe ihren Seelen’!
  2. Doch was ist zu tun, wenn den Verlorenen keine Hilfe mehr kommt, es sei denn, Gott anzuflehen, der durch den Propheten (Jes. 2, 12) versprochen hat, er werde über jedem Hochmütigen, Herausragenden und über jedem Anmaßenden sein, auf dass er gedemütigt werde? Doch werde ich die Spur des stinkenden Werks verfolgen und werde es, wenn ich die Kraft habe, mit einer eisernen Sichel zerschmettern, um die Wahrheit zu sagen: Sache wird mit Sache, Grund mit Grund, Vernunft mit dem, was sie dafür halten, kämpfen. 
  1. Ihr behauptet, die Priester hätten den Anordnungen des Königs (praecepta regia) widersprochen, und glaubt, es sei eine Art Sakrileg, etwas Schlechtes über den Befehl eines irdischen Herrn zu meinen, während ihr den himmlischen (Herrn) nicht kennt, indem ihr (uns entgegenhaltet):
    ‚Wer durfte dem König sagen, der Papst habe die Synode einberufen müssen?‘
    Sicherlich weil in dieser Hinsicht ein Exempel existiert? Gerade derjenige, der aufgrund der anklagenden Behauptungen vieler Leute bereits am Boden lag, den zu verurteilen nichts anderes war, als ihn zu beschuldigen, dem die üble Nachrede seiner Feinde das vom Himmel verliehene Vorrecht bereits genommen hatte?’
  2. Zu diesem Irrsinn hat euch der stufenweise Zuwachs übler Taten bereits gebracht, dass ihr glaubt, herausfordern sei dasselbe wie überführen, und es bei euch keinen Unterschied zwischen Hass und Wahrheit gibt, der doch meistens gegen das Verdienst des Angegriffenen Wünsche erzeugt, die dem Eifer und nicht der Vernunft gehorchen? Wo bleibt jenes Wort (Eccl. 11, 7): ‘bevor du erkennst, sollst du über niemanden ein Urteil fällen.’ Einst nahm euch die nach links gesetzte Herde als Gleichberechtigte auf, unter denen, so glaubt man, derjenige das Urteil (sententia) aus einem Vorurteil (praeiudicium) erhalten hat, der es verdiente, einer Prüfung unterzogen zu werden, und schuldig (reus) zu sein bedeutet, sich der Waage des Streits zu stellen.
  3. Der hervorragenden Vorrede habt ihr dennoch ein Exempel hinzugefügt, das aus so quadratischen Ausdrücken besteht, dass man glauben könnte, der Architekt Chrysippus (Konjektur Hartel) selbst fälle in dieser Hinsicht das Lot: 
    ‘zum Sünder spricht Gott: Weshalb redest von meinen gerechten Taten’ (Ps. 49, 16 aus Vetus Itala). Diesem Ausspruch fügen sie gleichsam für die Priester die Anrede hinzu:
    ‘Weil er für den Stellvertreter des glückseligen Apostels Petrus gehalten wird, (deswegen) hindert ihr den Arzt, seinem Körper ein Heilmittel zuzuführen’?
  4. Auf welche Weise verweigert ihr, seiner Seele Heilung zu bringen? Ob dies ein großes, vom Himmel gestelltes Rätsel ist oder eine sehr große Klage, weiß ich nicht. Ihr sucht nach Heilung für fremdes Fieber, ihr begehrt, dass einer klaffenden Seele ein Heilmittel aufgelegt wird, und beschäftigt euch, ohne im Angesicht des nahen Todes an euer Heil zu denken, mit dem eines anderen?  Was, wenn jenes Prophetenwort (Jes. 7, 13) für euch gesagt worden ist: ‘ist es etwa nicht genug, dass ihr den Menschen lästig seid, seid ihr meinem Gott lästig?’. Und noch einmal (Luc. 4, 23): ‘Arzt, heile dich selbst’?
  5. Aber davon bei anderer Gelegenheit. Wir wissen, dass der als tot Bejammerte nicht geheilt werden kann und dass der Schurke, der in die Tiefe fährt, (die Heilung) mit seltsamer Fahrlässigkeit geringschätzt. Doch ich glaube, unter ihnen und im Tod ihres eigenen schlechten Umgangs lebt ein Plan, und jemand kann für einen anderen wünschen, was er für sich selbst bereits verloren hat. Jetzt werde ich euch zu Recht mit dem Propheten (Jes. 8, 12) sagen: ‘alles, was dieses Volk spricht, ist eine Verschwörung; fürchtet nicht seine Furcht und laßt euch nicht erschrecken’.
  6. Fern sei von uns jener lüsterne Kitzel der Zungen, der in euch ist, die wahrlich derselbe Prophet (Jes. 10, 1) anklagt: 
    ‚die Ungerechtigkeit schreibend, habt ihr geschrieben’. 
    Wir vertreten keineswegs, wie ihr behauptet, die Auffassung, der glückselige Petrus, oder seine Nachfolger habe vom Herrn mit den Privilegien seines Sitzes auch die Freiheit zu sündigen erhalten. Jener (Petrus) hat die ewige Mitgift der Verdienste mit der Erbschaft der Unschuld an die Späteren vermacht. Was jenem gestattet ist für das Licht seiner Taten, erstreckt sich auf diejenigen, die derselbe Glanz der Lebensführung erleuchtet. 
  7. Wer nämlich dürfte daran zweifeln, dass derjenige heilig ist, den die Spitze einer so großen Würde erhoben hat, bei welchem, falls durch Verdienst erworbene Güter fehlen, diejenigen (Güter) ausreichen, die ihm vom Vorgänger in seiner Stellung dargereicht werden? Entweder nämlich erhebt er (Petrus) strahlende Personen zu diesem Gipfel, oder er läßt diejenigen erstrahlen, die erhoben werden. Denn er weiß vorher, was zum Fundament der Kirchen passt, auf das sich die ganze Last stützt.
  1. Aber ihr glaubt, dass die himmlische Gewalt deswegen eure Taten unterstütze, weil ihr zur Unterstützung des glückseligen Apostels einen Helfer, wie ihr sagt, als rechte Hand bestimmt habt. Wisst ihr nicht, ihr Dummköpfe, dass die Sonne durch Fackeln nicht unterstützt wird und dass zur Unterstützung des ewigen Lichts keine Lampen angezündet werden? Es steht nämlich geschrieben (Ps. 7, 10):
    ‘Gott untersucht Herz und Nieren’.
  2. Aber wer dürfte es wagen, in jenem Teil euren Argumenten zu antworten, es sei denn weil die Wahrheit ohne Kunst gesagt wird und die Glaubwürdigkeit der Lüge durch rhetorische Tricks angenäht wird? ‚Warum’, sagen sie, ‘seid ihr beim Herrscher (princeps) zusammengekommen, wenn es nicht erlaubt war, dass er gehört wurde, obwohl er beschuldigt wurde?’
  3. So sehr hat euch der Nebel der Sünde oder der göttliche Zorn bis zu viehischem Stumpfsinn verwirrt, dass euer Geist eine schamhafte Entschuldigung entweder durch Betrug übergeht oder gedrückt durch die Stumpfheit von wilden Tieren nicht erkennt? 
    1. Oder glaubt ihr etwa, was gesagt wurde, sei etwas anderes gewesen: Er selbst habe die Synode einberufen müssen, dessen Dienst (officium) man brauchte, damit euch, versteht sich, durch bischöfliche Prüfung das göttliche Urteil niederstrecke, die ein krankhafter Eifer vom Gefüge des eigenen Kopfes zum Schaden des Heils abgetrennt hatte?
    2. Habt ihr eurem Werk die Erwähnung Esaus eingefügt, ich weiß nicht, ob mit Worten oder Gebell, indem ihr euren Vorsteher (antistes) mit dem verglichen habt, der (sc. Esau) die Wohltat einer älteren Natur im Tausch gegen eine einzige Speise eingebüßt und die altehrwürdige Stellung des Erstge­borenen verloren hat, indem er dem Schlund gehorchte. Was soll ich dazu sagen, der ich von den Vorwürfen in jeder Hinsicht umzingelt werde? Wer von euch, frage ich, hat Symmachus den Segen entrissen, indem er seinem Vater einen größeren Dienst erwiesen hat? Wem ist für seine so großen Verdienste durch die Stimme Jakobs der Adel (nobilitas) verliehen worden?
    3. Wer von euch kam gelaufen, um den Wünschen des blinden Vaters zu gehorchen? Wer von euch schaffte es durch seine Hingabe, dass der verehrungswürdige, an den Augen behinderte Erzeuger den Verlust des Lichts nicht fühlte? Glaubt man nicht, dass die Nacht im Vergleich mit eurer Dunkelheit am hellichten Tag ein rötliches Strahlen zeigt und dass jede Dunkelheit verglichen mit euren Taten die Zierde des Lichts annimmt? Außerdem hat Jakob damals den Segen, auch wenn er zum Charakter des Sohns paßte, doch als einen bereits versprochenen gespendet.
    4. Was soll ich mich jetzt noch länger dabei aufhalten, wo doch diejenigen unbelehrbar sind, die mit den Fersen auf den Stachel getreten haben. Glaubt mir, was ihr vorbringt, ist dem Frieden feindlich, aber für einen Angriff ungeeignet. Es folgt eine Fessel verbunden mit einem Rätsel, das wir durch die Kunst der Erwiderung irgendwie lösen wollen. Denn indem sie aufs weite Meer Tullianischer Tiefe hinausfahren, treiben sie unser Schiffchen mit dem Wind ihrer Fragen durch uferlose Weiten. Da auf diesem jedoch Christus das Steuerruder hält, werde ich in den Hafen einfahren und alles, was mit euren Stürmen zusammenhängt, einzeln diskutieren, um ihre Fähigkeiten als Führung zu haben, nicht meine. 
    5. Sie sagen nämlich:
      ‘Wenn die Behauptung der Bischöfe wahr ist, dass noch niemals ein Vorsteher des apostolischen Stuhles dem Urteil Geringerer unterworfen gewesen sei, warum ist er dann mit strikter Ladung zum Gericht geführt worden’?
      Hier müht sich die bejahrte und zugleich kindische Stammelei (infantia) mit uns ziemlich ab, die jenen beiziehen muß, der das Gewicht unserer unbesiegten Behauptung stets überwindet, während ich offenkundig mit dem Propheten (Jes. 10, 15) für die Priester ausrufe: ‘wird etwa das Schwert sich gegen den rühmen, der mit ihm schneidet? Oder wird die Säge sich gegenüber dem erhöhen, der sie zieht? ’ Möge mich jenes göttliche Orakel unterstützen (Jes. 14,4-5): ‘Wie dann, wenn der Eintreiber (exactor) aufgehört hat, die Grundsteuer (tributum) ruht: So hat der Herr den Stab der Unfrommen zerbrochen.’
    6. Gewähre, Herr, was Du dadurch prophezeit hast, auf dass, ‘wie einer, der trunken und sich erbrechend umherirrt’, so geht der Ungläubige, der unehrlich handelt, zugrunde. Deswegen ruft der Prophet (Jes. 28, 14) über euch triumphierend aus: ‘Hört das Wort des Herrn, ihr Männer des Spottes.’ Setzt man den Ausgang der Fälle aufgrund vorheriger Entscheidung (praecognitio) fest und entscheidet, um wilden Zusammenstößen eine Grenze zu setzen, auf eine Weise, dass eine schnelle Entscheidung, wenn bekannt wird, dass sie älter als die Untersuchung ist, die Voreingenommenheit des Entscheidenden anklagt?
    1. Jetzt werde ich euch, wenngleich an Beredsamkeit, Handlungen und Jahren unwürdig, für kurze Zeit mit der Stimme eines Bischofs (pontifex) anklagen: Wir (sind diejenigen), die wollten, dass unsere Beschlüsse (statuta) bei euch nicht lediglich in einer Waagschale Bestand haben, für die Canones über die Beschaffenheit der Beschuldigten verabschiedet worden sind, bei denen es ein Verbrechen ist, die altehrwürdigen Definitionen der Väter zu übertreten, für die im Konzil von Karthago geschrieben wurde, was die Autorität des apostolischen Stuhles durch Bischof Faustinus, der damals als sein Gesandter zugegen war, bestätigt hat: ‘Anklägern, die aus dem Haus des Feindes hervorgehen, ist kein Glauben zu schenken’,
    2. Bei denen die von Hass entflammte Nachbarschaft durch trockene Nahrung die Flamme der Verfolgung entfacht, und das ganze Gebäude der Hinterlist mit großem Aufwand und zusammenhängenden Tricks in heimlicher Anordnung errichtet. Jene, welche das Haus ausspie, wie hätte unsere Versammlung sie kennen können, es sei denn als Anwesende? Und wie hätte sie von der Beschaffenheit des Angriffs Kenntnis erlangen können, wenn nicht aus einer schriftlichen Darlegung (scripta propositio)? In welchen (Leuten) hätte sie das Schmutzwasser der Anklagen erkannt, während sie vorgeben, sie müßten die Anklagen verfolgen.
    1. Im Anschluss an das, was über die Ankläger vorgebracht wurde, Einleitunghabt ihr hinzugefügt: 
      ‘Dass (cur=quod) Personen zu erscheinen befohlen wurde, welche die herrscherliche Autorität (imperialis auctoritas) oftmals vorgeladen habe,habe zur Schädigung des Genius (ad defraudationem genii) desjenigen geführt, der jetzt auf dem apostolischen Stuhl gleichsam in einer Burg sitzt.’Vogel fügt hinter cur ein quod ein und versteht den Satz als rhetorische Frage, Schwartz dagegen versteht cur als quoniam (Günther). Offenbar fasste er den Satz wie Vogel als rhetorische Frage auf. Wahrlich euch sagt die Weisheit (Sap. 9, 5, 10): ‘Der Mensch, schwach und mit wenig Zeit, wird nicht zur Einsicht gelangen, sondern er mühe sich zu wissen, was dem Herrn gefällig ist’, und erneut sagen die Proverbien: ‘Wer sich haßt, verachtet die Studienr’ (Prov. 15, 32)’,
    2. ‘Den Unkundigen nämlich begegnet der Tod‘ (Prov. 10, 21). Wozu täuscht ihr jene Unwissenheit vor, die aus dem Wissen der Schlange stammt? Wozu wendet ihr mit seltsamer Kunst der Straßenräuberei Gaukeleien an, wobei ihr auf der Stirn die Ehrlichkeit zeigt? Über euch ist wahrlich gesagt worden (Joh. 8, 44): ‘Wer die Lüge spricht, spricht aus Eigenem.’ Jenes Gesicht der Fröhlichkeit, das aus dem Urteil der Gerichte kommt, habt ihr den Augen eures Priesters (Symmachus) mit verschlagener Voraussicht entzogen, um ihn, der mit solchen Befestigungen gegen eure Schlachtreihen ausgestattet ist und mit dem Zeugnis des Erdkreises Geschosse der Unschuld führt, von den unbetretbaren Innenräumen der Gerichte zu vertreiben. So tragt ihr dafür Sorge, dass er nicht ohne Anfeindung als Unschuldiger leben kann und als Angeklagter keinen Trost durch eine unkorrumpierte Untersuchung der Richter erhält.
    3. Ihr habt dem Vorgenannten (Symmachus) die Untersuchung sowohl gegeben als auch geneidet, da ihm von euch auf ein und demselben Weg sowohl befohlen als auch verboten wird, sich der Ungewißheit der Streitigkeiten zu stellen; mit einzigartiger Verschlagenheit wird er zum Rechtsstreit geladen, von dem er fernzuhalten ist, um das offenkundige Heil nicht entweder dadurch zu erhalten, dass er nicht vorgeladen wird, oder dadurch an sich zu reißen, dass er freigesprochen wird. Ich erinnere mich, in den Zeiten meiner Jugend gelesen zu haben, dass über jemanden gesagt worden ist (Sen. Med. 459):
      ‘Du befiehlst einem Verbannten das Exil und gibt es ihm nicht.’
    4. Auf euch trifft der Ausspruch des Propheten zu (Jes. 14, 16): ‘Jene sind die Männer, welche die Erde durcheinandergebracht und die Königreiche erschüttert haben’, und erneut (Jes. 18, 5): ‘Die Zweige werden mit ihren Sicheln abgeschnitten werden, und was übrig geblieben sein wird, wird abgerissen werden’, und noch einmal (Jes. 30, 14-15): ‘Wenn ihr es nicht hofft, wird euer Untergang kommen und eure Menge wird klein gemacht werden wie der Krug eines Töpfers.’ Obendrein hat der Prophet (Jes. 31, 3) speziell für die Sache sprechend verkündet: ‘Der Herr wird seine Hand neigen, und stürzen wird, wer den Schlechten Hilfe bringt, und fallen, wer (von ihnen) Hilfe erhält, und alle werden zugleich vernichtet werden.’
    5. Doch kehre ich nach den Ausflüchten alter Exempel zu den neuen Bestimmungen der Canones zurück. An anderer Stelle ruft das Konzil von Karthago aus:
      ‘Personen, welche die öffentlichen Gesetze (leges publicae) nicht zur Anklage zulassen, entziehen auch wir das Recht, einen anderen anzuklagen.’ Ich frage euch, ihr Männer, denen eine bis zum Nagel polierte Perfektion innewohnt: Welchen Status (condicio) hatten jene Sklaven (mancipia), deren Auslieferung, behauptet ihr, in den fürstlichen Schreiben (scripta principalia) gefordert wurde?
    6. Wenn die Kette der Sklaverei sie noch immer in der Gewalt eines anderen festhielt und keine in die Freiheit entlassenen Fußstapfen sie von den Fesseln einer ehrlosen Bindung befreit haben, hätten die Worte der Vorgenannten euch selbst als Streitenden irgendwelche Glaubwürdigkeit gebracht? Aber ihr werdet, glaube ich, erwidern: ‘Die Wahrheit, die eine von jenen freiwillig vorgebrachte Äußerung nicht besitzen konnte, hätte ein pflichtbewußter Folterer mit verschiedenen Martern aus ihren Seiten herausgeholt, damit die Seele, während die Körper durch Strafen verrenkt wurden, Taten nicht verbirgt, von denen sie Kenntnis hatte.’
    7. Richtet doch bitte eure Mäuler zuerst den öffentlichen Gesetzen und dann den Richtern zuzuwenden, die zu ihrer Verteidigung folgendermaßen sprechen können: Wir, die der Dienst für Gott nach dem Abtun jener Dinge zu Freien (ingenui) gemacht hat, die wir die Schmähungen höhnender Sklaven entweder verachten oder verlachen, wir, für die vom Apostel (Ephes. 6, 9) über die Diener (famuli) geschrieben wurde (Eph. 6,9): ‘Denkt daran, dass euer Herr und der ihre im Himmel ist’, wir werden zu den Übeln dieses Zeitalters zurückgerufen? Von uns soll getan werden, was, so behaupten wir, profan ist, wenn es ein anderer tut? Was durch die Ausführung des Befehls auch den Anblick einer fremden Hand beflecken würde, soll auf unseren Befehl hin geschehen?
    8. Gebt diesen nach der Art und Natur räuberischer Wölfe gegen alle Kirchen gerichteten Sinn auf, weil ihr, nachdem uns vielleicht für eure Wünsche eine blutige Befragung besudelt hätte, bei diesen das Ergebnis, auf das ihr abzielt, nicht erlangt hättet, da der Prophet (Jes. 37, 29) zu euch sagt: ‘Wir werden einen Ring in eure Nasen legen und einen Zügel auf eure Lippen, und werden euch auf dem Weg zurückführen, auf welchem ihr gekommen seid’, (euch), die ihr durch die Erklärung desselben Propheten angegriffen werdet, der sagt (Jes. 41, 11): ‘Sie werden sein, als ob sie nicht wären, und es werden zugrunde gehen die Männer, die euch widersprechen.’
    1. Auch dies habt ihr angefügt mit einer neuen Erfindung gegen uns: 
      Unser Herr und Erlöser habe selbst das Gericht über Sklaven erfahren, und der Schöpfer des Himmels sei aus freien Stücken einem irdischen Teilchen unterlegen, da er bezeugt und spricht (Jes. 5, 3): ‘Mann von Juda und Bewohner von Jerusalem, richtet zwischen mir und meinem Weinberg.’ Ihr erzählt, dass davor auch der glückselige Petrus und der glückselige Paulus nicht zurückgeschreckt seien, und diese eure Eleganz wird durch die Verknüpfung von Präzedenzfällen als Recht ausgegeben, so als ob euch in dieser Hinsicht ein Streit mit einem Widerstrebenden bliebe und durch die kräftigen Finger eurer Beredsamkeit Gaben erzwungen würde, was man euch darreicht.
    1. Auch Samuel, der wundertätige Prophet, habe, so behauptet ihr, in der Heiterkeit seines Gewissens, das Zeugnis des Volkes angerufen. Was nämlich hat Samuel (1. Sam. 12, 3) gesagt? Der Herr wisse, dass er niemals irgend jemandes Besitz, niemandes Vieh davon getrieben habe, dass er sich Geschenken widersetzt habe und dass er, was über den Menschen hinausgeht, aus freien Stücken kommende Geschenke gemieden habe, da er natürlich Sorge trug, dass er nicht durch die Vorverurteilungen der Verdächtigungen Schaden an seinem Ruf erleide. Schließlich hat er unter himmlischer Bezeugung seine Unschuld offengelegt, um sich keinem menschlichen Urteil zu unterziehen.
    2. Unser Erlöser erfleht das gerichtliche Urteil, das seinem Wunsch zufolge zwischen ihm und seinem Weinberg ergehen soll, noch mehr, wenn er eure Übel in der gegenwärtigen Sache betrachtet. Der heilige (sanctus) Athanasius, Bischof der Stadt Alexandria, hat, als er durch den Haß eurer Komplizen beschuldigt wurde und erkannte, dass ihm durch die Menge der Verleumdungen eine Prüfung zufiel und kein Schrecken, dem Wert des Kranzes hinzugefügt, was er an Würde dahingab, und noch vor dem himmlischen Urteil des Freispruchs die Rolle des Angeklagten als guter Beurteiler seiner Unschuld erfüllt.
    3. Denn so bereiten sich die Soldaten (milites) Christi durch ihren Schweiß Zuwachs an Ehren, indem sie erlaubte Spitzenpositionen (fastigia) durch noch erhabenere Demut züchtigen, um dadurch das Übermaß des Lobes zu erlangen, dass sie die einmal erlangten Stellungen höchsten Ranges mit erhabener Sparsamkeit mäßigen. Doch wenngleich seine Stellung den seligen Athanasius soweit wir wissen können als dem römischen Vorsteher ungleich erweist, so mögen sie dennoch faktisch in ihren Handlungen verglichen werden:
    4. Jener hat sich den Richtern zur Verfügung gestellt; dieser hat (sich), wie auch ihr sagt, verteidigt. Jener ist vor einer Befragung, die man anstrengte, als Diener Gottes nicht geflohen; dieser hat die Hoffnung auf seinen Triumph auf die Versammlung der Befragenden (discussores) gesetzt. Aber wozu sollen wir uns länger mit diesen Vergleichen aufhalten? Gerichtliche Urteile hat auch dieser gewollt, geliebt, herbeigeführt und sich ihnen gestellt, und er hat, was die Herzen der Gläubigen mit Stacheln gerechten Schmerzes erregen könnte, der ehrwürdigen Synode (concilium) sogar Autorität gegen sich selbst, falls er es verdiente, eingeräumt.
    5. Wer wüßte bei der Stirn seiner eigenen Behauptung nicht, dass er gestützt auf Zeugnisse der Reinheit mit seinen Mitbischöfen (coepiscopi) zusammengekommen ist, der vor dem, was ihrer Entscheidungsgewalt weniger erlaubt war, erschauderte, weil er meinte, dass das auf jede Weise leichter ins Schwanken zu bringen sei, was ein unbefugter Richter (censor) entschieden habe. Warum verfolgt ihr den Vorgenannten mit hündischer Geschwätzigkeit? Weshalb verletzt ihr ihn, der es nicht verdient? Sein Wunsch ist das, was ihr für euren Schrecken haltet. 
    6. Doch das Gift der neuen Schlange zischt in euch verschlagener als in den Gegnern des Athanasius. Jene wußten nicht, worauf ihr euch bestens versteht: Wie man dem Angegriffenen den Triumph nimmt. Jene fürchteten einen Vorgeladenen, dass er sich trotz Voraldung nicht zum Verhör stelle; ihr habt ihn, weil ihr die Verzögerung nicht ertragen konntet, welche die Untersuchungen aufhielten, als er kam, mit Wurfspießen vertrieben und den vorbereiteten Abscheu gegen das Urteil gegen das Ergreifen rächender Waffen eingetauscht. Oh Erinnerung an die Übel, welche die Stimme verleiht und unterdrückt, indem sie die Worte jener, welche sie zu lautem Rufen gezwungen hat, durch das Gewicht der Tat verwirrt.
    1. Wer könnte euer Geschwätz mit Gleichmut aushalten? Wir also lieben gemäß eurer Behauptung die Vorteile der neuen Nützlichkeit nicht, indem wir älteren Bestimmungen Gehorsam leisten? Hier hängt ihr alle Segel eurer Begabung auf, hier hat der Auswurf eines zurück gebogenen Nackens aus dem Innersten der Brust erbrochen, was er an Wind gehabt hat. Sie sagen nämlich: 
      ‘Das Fasten des Moses und die Wunder des Elias, die er vollbracht hat, indem er einen Toten auferweckte, werden verurteilt, wenn ihr nur dem Bejahrten folgt.’
    1. Welchen vernünftigen Grund hat der geschickte Inquisitor hier gefunden? Nicht einmal wenn der bleiche Goldsucher auftaucht, dürfte er in euren Sinnen die Bewegungen verborgener Adern finden und in ungewohnte Verstecke  als Redengräber Licht hineinbringen.Deswegen also billigen wir die altehrwürdigen Wunder nicht, wenn wir den Vergehen junger Leute unsere Zustimmung nicht gewähren? Wenn wir den Sklaven seinem Herrn, den Schüler seinem Lehrer eingedenk des Evangeliums unterordnen, vernachlässigen wir, was immer von Nutzen sein konnte? Es sind andere Dinge, ihr Erzschurken, die wir für den Gebrauch in der Gegenwart ohne Unrecht gegen die alte Zeit (vetustas) anwenden.
    2. Danach eröffnet ihr eine neue Schuld, eine, an der unsere Untersuchung vorbeigegangen war: 
      ‘Weshalb hat der Papst (papa) ohne das Institut eines Präzedenzfalls eine Synode einberufen, damit sie über den Vorwurf der Anklagen gegen ihn ein Urteil fälle?’
      Darauf beschuldigt ihr uns der Falschheit. Weshalb behaupten wir, dass das, was in der besagten Sache geschrieben worden sei, vom Fürsten (princeps) gefordert worden sei?
    1. Gewähre, Herr, dass wir die krummen und verschlungenen Wege dieses Labyrinths ohne Irrtum überwinden! Lenke den Pfad, den die biegsame Schlange nach der Gestalt ihres eigenen Körpers oder Sinnes einschlägt, damit wir wahr sprechen (Ps. 45, 8): ‘Der Herr der Tugenden ist mit uns, unser Helfer ist der Gott Jakobs’ und mit Salomon jauchzen, wenn er sagt (Prov. 21, 31): ‘Das Pferd wird am Tag der Schlacht bereit gemacht, doch alle Hilfe steht beim Herrn.’
    2. Es ist überflüssig, auf absurde Behauptungen zu antworten, zumal der Prophet (Prov. 26, 4) sagt: ‘Antworte dem Toren nicht auf seine Torheit.’ Aber wenn die Gering­schätzung etwas übergangen hat, dann fürchte ich, dass man glaubt die Furcht habe es nicht berühren wollen, weil es zutreffend ist. Für uns ist es besser, mit dem glückseligen Paulus die Gründe der Verleumdung anzugehen und mit voller Stimme zu bezeugen (2. Cor. 12, 11):
    3. ‘Ich habe den Verstand verloren, ihr habt mich dazu gezwungen.’ Das also ruhte auf keinem Exempel, dass der Vater der Priester (sacerdotum papa) eine Synode (concilium) einberuft, dessen Wille eine Synodalversammlung ist? Oder waren es Kleinigkeiten, die wegen eurer Schandtaten zusammen mit dieser Menge verurteilt wurden? Sind denn die Worte der Canones nicht gesandt worden, wonach jeden Kleriker, der sich von seinem Bischof vor dem Termin des Urteils wegen eines zweifelhaften Verdachts entfernt, offenkundige Rüge erwartet?
    4. Zum Dienst in dieser Sache mußte eine Gott ergebene Schar herbeikommen, damit das Heer der Ärzte den Wunden einer verlorenen und niedergeschlagenen Herde zu Hilfe eile, weil, so oft die Gewalt von Krankheiten mit schnellem Schritt ins Innere der Seele eilt, ein heilsamer Rat seine Hände nur mit Hilfe der Versammlung vieler dagegen stemmen kann. Denn auch dies hat unsere Eingabe vom König verlangt, dass er die Vorverurteilungen von Klerikern über das Verdienst der Ankläger des Papstes (papa) ignoriere und mit seinem menschlichen Mund ein überirdisches Urteil fälle.
    5. Wir wollen dennoch zusehen, wenn’s recht ist, und die Klügeleien eurer Lehrschrift (libellus didascalicus) wieder lesen, wobei auch wir die Anordnungen der Väter vor Augen haben, durch welche der Abschaum eurer Vergehen erwogen wird. Das Gesetz der Kirche (apex) verlangt, einen Bischof (pontifex), der von anderen angeklagt worden ist, nicht zu verlassen, bevor die Vorwürfe nicht im Lichte feststehen. Ihr aber, eingedenk des göttlichen Rechts, wie ich glaube, die ihr leichte Verfehlungen gering schätzt, die ihr euch am Adel der Sünde freut, damit euch wegen des Verlassens des Priesters keine Schuld treffe, erhebt Anklage beim Zuwachs an Vergehen.
    1. Zu dieser Stärke hat euch jener geführt, der euer Vorreiter ist, dass ihr glaubt, nachdem der Bischof (pontifex) ohne die Kraft irgendeines Urteils verlassen und beschuldigt worden ist, sei die Entscheidung der Vorsteher beinahe ganz Italiens zu mißbilligen. So hat einer aus eurer Kohorte (Lucan. 3, 751) gesagt: ‘Er hat die eilende Seele nicht einem Tod anvertraut.’ Kannst Du, unbelehrbarer Sinn, bereits bereichert durch die Erfolge von Verbrechen, von deinem verabscheuungswürdigen Vorhaben sozusagen erschöpft, einen Ruhetag einlegen?  Jener hat euch reich an diesen Übeln gemacht, dem die Menge an Überhebungen den engelhaften Reichtum genommen hat und dem der Schatz zu schaden, an dem er Überfluss hat, das himmlische Vermögen geneidet hat.
    1. Aber eingedenk unseres Versprechens wollen wir berühren, was ihrem Werk unserer Erinnerung zufolge eingefügt war: Papst (papa) Symmachus wird in glänzendem Stil beschuldigt, er habe, der Vorladung zuvorkommend, mit Scharen von Menschen die Prüfung angetreten und danach das Gericht, obwohl er vier Mal vorgeladen wurde, verachtet habe. So weit hat sich von euch die Liebe zur Wahrheit entfernt, dass ihr meint, das Zeugnis des Erdkreises werde durch die Nebel der Lügen eingehüllt, und glaubt, Worte, die mit dem Pinsel der Täuschung bemalt sind, hätten mehr Kraft als die Wahrheit, die Rom besitzt?
    2. Hat sich also jener zur Unzeit der Verhandlung gestellt und sich ihr, als er erwartet wurde, entzogen? Hat also jene Menge eines Gott ergebenen Volkes nicht eher durch eine Erwartung aus der christlichen Sorge um den Glauben heraus als durch ein Wüten auf den Plan gerufen? Wenn einer gelaufen kommt, um Gewalt zuzufügen, hat er dann Tränen als Begleiter, und wenn einer Furcht einflößen will, zeigt er dann das Gesicht eines sich Fürchtenden?
    3. Jene Menge, verbunden mit den Dienern des Priesters (sacerdos), brachte uns Klagen, nicht Wurfgeschosse, sie kam nicht drohend mit Waffen, sondern beklagenswert unter Tränen, um eure Absicht allein durch das Zeigen zu belasten, weil sie durch die reichen Ströme der Augen zeigte, wie sehr die Situation des Beschuldigten aufgrund euer Grausamkeit zu beklagen sei, und in der Nüchternheit einer ehrwürdigen Schar empfahl sie durch ihre eigene Demütigung denjenigen, den sie mit der Stimme nicht (empfehlen) konnte. 
    1. Doch ihr habt in dieser Sache offenkundig die Wut, welche der Wahnsinn entfacht, weil der so gut wie freigesprochen zum Gericht kam,  für welchen der Erdkreis Tränen vergießt. Und indem ihr einen der Sache fremden Haß gegen den Vorgenannten in eurer Rede sammelt, beugt sich der lange hochmütige Nacken für ein Weilchen vor unserer Verehrungswürdigkeit. Ihr nennt die Versamm­lung nämlich dann „heilig“, wenn ihr behaupten wollt, Symmachus sei unser Vernichter. Und mit grausamem Pflichtbewußtsein (pietas) glaubt ihr, dass unserer Ehre zuwachse, was er, der in der Burg der Kirchen residiert, verloren hat. 
    1. Wir sind nicht bloß nicht dieser Meinung, sondern meinen das Gegenteil. Verwendet das Gift eures Schutzes lieber für andere. Das Zeugnis eines Verteidigers besitzt derjenige nicht, welcher einem Widerstrebenden den Gehorsam des Mundes leistet. Derjenige verliert den Dank für das, was er für eine Wohltat hält, welcher einem etwas gewährt, was dieser nicht will, weil nur das ein Geschenk ist, was man annehmen will.
    2. Nun bedarf es keiner langen Ermahnung für Leute, die bereits verloren sind. Hass schulden wir einem Werk, dessen Autoren bereits in jeder Hinsicht verurteilt sind. Scharen von Frauen, behauptet ihr mit urbanen Farben, hätten sich mit dem Vorgenannten beim Gericht versammelt, und mit dieser eurer Subtilität wird das Geschlecht aufgezeigt, welches dem Vorsteher größere Zuneigung geschuldet hätte.
    1. Ihr Erzschurken, ich erinnere mich, dass geschrieben steht (Cic. Cael. 3, 6):  ‘Üble Nachrede führen ist das eine, etwas anderes anzuklagen, und dass der Prophet gesagt hat (Jes. 30, 12-13): ‘Weil ihr das Wort verwerft, setzt ihr eure Hoffnung auf die Verleumdung und den Aufruhr, und ihr seid darin: Deswegen wird diese Ungerechtigkeit für euch wie ein Riss, denn für euch sagt Gott (Jes. 49, 25): ‘Wahrlich, über diejenigen, die über euch urteilen, werde ich urteilen.’ Und wiederum sagt er zu seinen Sklaven (Jes. 51, 7): ‘Fürchtet euch nicht vor der Schmähung der Menschen und erschreckt nicht vor ihrer Lästerung.’ Und noch einmal ruft er ihnen zu (Jes. 57, 3-4): ‘Kommt hierher, Brut des Ehebrechers und des Unzüchtigen. Über wen habt ihr euch lustig gemacht, über wen habt ihr euch das Maul zerrissen und die Zunge herausgestreckt? Seid ihr nicht verbrecherische Kinder, lügnerische Brut?’
    2. Paßt auf, mit wem ihr euch verbindet, wenn ihr sagt: 
      ‘Ohne Rechenschaft gelegt zu haben, ging der Papst (papa) davon und ließ seine Verteidiger zurück’, indem ihr uns in der gegenwärtigen Angelegenheit Beispiele vom Forum und aus den Straßen, deren Schauspieler ihr seid, präsentiert. Für uns ist durch den Apostel Paulus geschrieben worden (Gal. 6, 14): ‘Diejenigen, für welche die Welt gekreuzigt worden ist, was haben die mit dem Forum zu tun’? Aber ihr wißt davon nichts oder, was noch schlimmer ist, ihr schätzt es gering, obwohl es euch bekannt ist.
    3. Etwas Fremdes und jeder Vernunft Bares, glaube ich, forderte der Papst (papa), als er davonging. Hat er nicht das für den Zustand der schwankenden Kirche erhofft, gedrängt durch die Sorge eines Hirten, was sowohl die religiöse Vorsorge als auch die Ordnung der Sache selbst erforderte? Denn welche Art von Urteilen (iudiciorum forma) war vorherge­gangen, dass euch, nachdem die Mittel der Kirche auf feindliche Weise verschwendet und schon durch eure Eingabe (suggestio) beseitigt worden waren, derjenige, welcher lange Zeit die Speise der Hungernden gewesen war, in einen Sklaven des Hungers verwandelt erschien, weil der Verteiler Mangel an Lebensmitteln litt, so dass in der Herrschaft Sklaverei entstand und in der Sklaverei Herrschaft? Welche Beschaffenheit eines vorhergehenden Zeitalters (aevum) hat dies durch die Erinnerung in unsere Mitte zurückgebracht, obwohl sie vergangen war?
    4. Was mußte aus dem mit Strenge (ex censura) Überführten werden, bei dem das Zusprechen (adiudicatio) dem Rechtsstreit (causa) vorherging? Es gab kein Privileg, das man ihm rauben konnte, als er bereits nackt war. Ihr habt geglaubt, ihr hättet eine Stütze in der heiligen Versammlung (sacra collectio), um euch zur Ungeheuerlichkeit des Schutzes für eure Anklagen Priester (sacerdotes) als Begleiter zu verbinden, damit euer Verbrechen durch die Beschmutzung vieler ungestraft bleibe.
    1. Niemals wird ein Richter (censor) zu passender Zeit beigezogen, der zu einer beinahe entschiedenen Sache angerufen wird. Auch wenn es ein Verdienst des Beschuldigten gibt, hebt der (es) für den Angeklagten auf, der bei ihm seinem wütenden Zorn mehr gestatten will als dem Richter (iudex). Denn der Prophet sagt (Jes. 17, 14) mit Blick auf uns: ‘Das ist der Teil derjenigen, die uns verheert haben, und das Los derer, die uns ausrauben.’ ‘Geht, schnelle Boten, zur durcheinandergebrachten und zerrissenen Herde und dem furchtbaren Volk’ (Jes. 18, 2). 
    2. Zu euch ist der Engel gesandt worden, natürlich durch die Priester (sacerdotes), durch deren Stimme und Verdienst sie die Geschenke, die Christus zu überbringen sind, erhalten und den Sterblichen, nachdem der Herr besänftigt ist, die erlangten Wünsche gewähren, durch die euch die verschmähten Geschenke der Eintracht dargebracht worden sind, die, während sie an sich denken, auf nichts, was ihr verdientet, geachtet haben.
    3. ‘Wer hat ihn’, sagen sie, 
      ‘mit seinen Anklägern in einer offenen Schlacht, wie man sagt, kämpfen sehen?’
      Ihr Leute ohne jede Scham, seht zu, wer nach eurem Willen mit welchen (Leuten) kämpfen soll, und, wenn noch ein Funken des Heils in euch steckt, dann betrachtet Ort, Zeit und Personen der beiden Parteien! Und wenn der auf verbrecherische Weise erworbene Reichtum des bis jetzt verdorbenen Herzens euch noch nicht unterworfen hat, dann hebt die Augen für eine Weile auf zu Gott und verachtet für einen Augenblick die Befehle eures Ermahners zur Linken.
    4. Ihr wißt, dass ihr durch die Anordnungen (praeceptiones) des höchsten Königs (summus rex) in dem, was mit Recht zu ahnden ist, nicht geschützt werdet; denn ihr habt, obwohl der Inhalt einer Forderung die Beschaffenheit der Antwort diktiert und die Petition, weil sie vorhergeht, bestimmt, was folgen wird, dennoch niemals die freien Worte des Herrschenden (regnans) in euren Netzen gefangen, und niemals haben wegen der Vogelfallen der Verschlagenheit die Schreiben des Herrschers (imperialia vobis scripta) für euch gekämpft.] Wie oft erscholl der unwirksame Biß mit dem vergeblichen Klaffen des Schadens? Wie oft entkam, was immer ihr bezüglich des Angeklagten in der Hoffnung festgehalten habt,
    5. (wie oft) hat euch das durch Anmaßung beanspruchte Bild (_imago) leer zurückgelassen? Gott sei Dank, der diese Voraussicht demjenigen eingegeben hat, dem er die Spitze der menschlichen Angelegenheiten anvertraut hat. Die sichere Hoffnung auf Ruhe und Heil liegt in der vollendeten Weisheit des Lenkers. Das Heck (eines Schiffes), dessen Meister zur Steuerung des Ruders durch die Gabe des Intellekts vorbereitet wird, findet überall einen Anlegeplatz, überall einen Hafen in den Wogen. Gewiß ist die Sicherheit der Allgemeinheit, wenn einer das Gemeinwesen (res publica) regiert, der mit den vornehmen Künsten vertraut gemacht worden ist. Die vom Himmel durchdrungene Verwaltung unseres Herrschers (imperator) versteht es, Charakteren, die im Ruf stehen zu täuschen, die ablehnende Hand entgegen zu strecken. Es bedarf keiner Anstrengung bei dem, den die reine Wahrheit vor langer Zeit als Verteidiger erhalten hat.
    6. Mögen die Unfrommen aufhören, bei ihm mit erlogenem Betrug die Einfachheit vorzutäuschen. Was immer sich gegen die Gerechtigkeit bewegt hat, wird bald ergriffen. Nichts ist bei dem Vorgenannten sicherer als die Unschuld. Eine starke Mission verfolgt, wer Dinge vorschlägt, die zur Billigkeit (aequitas) passen. Eine Anklage, welche den Fürsten (principes) oftmals lästig ist, soll aufgrund von Schmeicheleien weniger treuer Personen nicht verlesen werden? Aber das wird besser Gott erzählt, von welchem die Pflanze dieser Frucht ihren Ausgang genommen hat.
    1. Zu euch bringt mich der nicht freundliche Zustand (condicio) des vorgelegten Werks zurück, der ich bis jetzt besseren Reden (sermones) habe dienen wollen, da die gebieterische Notwendigkeit eine einnehmende Rede (oratio) verlangt. Ihr habt nämlich gesagt: ‘Wie habt ihr über seine Sache oder Beschaffenheit zuerst verhandelt, als die Synode noch gar keinen Bestand hatte?’
      Oh Stirn (frons) einer schmutzigen Rede und Angesicht (facies) einer Klageschrift (libellus), das nicht allein die Unwissenheit befleckt hat. Ihr untersucht die Zuständigkeit (provincia) unserer Verhandlungen und fragt danach. Wir waren doch wohl deswegen im Zweifel, weil die Synode, wie ihr euch ausdrückt, keinen Bestand (firmitas) hatte: Die Beschaffenheit des Falls (negotium) überstieg diejenigen, die ihn untersuchen sollten, und ein größerer Teil war in der Verehrung des Angeklagten geblieben als sich der Unbescholtenheit unseres Kollegiums vorhanden war.
    1. Danach erwidert ihr, wegen der Foltern der Verhöre hätten der ehrwürdige Bischof Laurentius und Bischof Petrus sich von der Gemeinschaft mit dem Papst (papa) suspendiert, und macht das, was die Vorsicht der Einberufenen vorsorglich bestimmt hatte, zu einem Vorwurf gegen den Beschuldigten. Hat man also zu irgendeinem Zeitpunkt, während von diesen Leuten die heiligen Handlungen der Messen (sacra missarum) zelebriert wurden, die Erinnerung an seinen Namen eingestellt? Haben die genannten Bischöfe jemals für eure Wünsche ohne den katholischen Ritus und den altehrwürdigen Brauch halbvolle Hostien dargereicht? Ist irgend wann einmal, was man eurem Haupt zuschreiben kann, bei Gott ein Anstoß verursacht worden durch eine Gunst, und war die Amme der Nachsicht, die Mutter der Sünde, eine Darreichung?
    2. Sie waren zwar durch die Zusammenkunft des Körpers getrennt gewesen, die Leute, von denen du sprichst, die Anwesenheit der Seelen haben sie dennoch nicht gemieden. Wenn du meinst, diejenigen seien von der wechselseitigen Gemeinschaft getrennt, welche die Fibel der Religion mit frommem Zahn beißend verbindet, dann hat dich der Drang zu sündigen weit von der katholischen Einstellung abgeführt. Die Wohnung des himmlischen Auftrags verbindet oder trennt uns. Es kommt nicht darauf an, welche Abstände uns trennen, wenn wir in einem Raum der himmlischen Bleibe zusammengehalten werden.
    3. Wahrlich, deswegen nehmen wir an, dass ihr Sklaven des Bauchs und des Körpers seid, und durch diese Wertlosigkeit eurer Entscheidung erklärt ihr, dass ihr irdische Sklaven seid. Denn es steht geschrieben (1. Cor. 2, 14): ‘Der Mensch als Lebewesen (animalis homo) begreift nicht, was des Geistes ist.’’
    1. Danach, nachdem die Schlachtreihen in die Flucht geschlagen worden sind, fügt ihr nach Art einer wahnwitzigen Rede hinzu:  ‘Folglich haben die Synoden der Priester (concilia sacerdotum), die nach den Gesetzen der Kirche jährlich in den Provinzen beschlossen werden, weil sie die Anwesenheit des Papstes (papa) nicht haben, ihre Gültigkeit (valitudo) verloren?’ Lest etwas vor, ihr kranken Geister, was einmal auf diesen (Synoden) ohne die Bestätigung der apostolischen Spitze verfügt wurde und nicht-falls eine größere Angelegenheit zur Erörterung kommt-der Entscheidung des vorgenannten Stuhls vorbehalten wurde.
    2. Denn es verhält sich so: ‘Wenn ein Bischof durch ein provinziales Urteil abgesetzt wird, dann mag er, wenn er will, den römischen Vater (papa) erneut anrufen, und er selbst mag, wenn es ihm richtig erscheint, die Urteile wiederherstellen zu Gunsten des Verurteilten.’ Sieh da, es ist entknotet, was ihr als Fallstrick vorbereitet habt, es sei denn, dass wir in dieser Hinsicht vielleicht durch sehr enge Schlingen gebunden werden und die Wege der Erwiderung uns nicht offenstehen, da der früher durchlässige Pfad durch Gestrüpp mit einer neuen Absperrung eingekleidet wird.
    1. Mit diesen Dornsträuchen der Rede haltet ihr uns fest, während wir durch ebenes Gelände schreiten, indem ihr sagt, der Fürst (princeps) sei beleidigt worden, da wir wollten, dass der gegen die kirchlichen Regeln zugeteilte Visitator sich unverzüglich entferne und dass den Lastern dürfe kein weiterer Spielraum gewährt werde, damit der Lolch nicht hart werde, damit die profane Ernte vor der Reife abgeschnitten mit der Sichel der Disziplin zu Boden falle und sich nicht die Meinung durchsetze, es sei erlaubt, was die Richter nicht verbaten. Daher steht offenkundig fest, dass ihr euch, abgesehen von der Vorzüglichkeit des allerfrömmsten Königs, die ihr vergeblich eurer Schuld zu verbinden trachtet, auf keinerlei Autorität der Exempel stützt.
    2. Es bleibt noch übrig aufzuzeigen, dass er selbst (Theoderich) für die Vergehen, was zum Vorteil der Gesamtheit ist, nicht verantwortlich ist, weil er wollte, dass der Gesandte (directus) nicht Anlaß von Streit oder Nährstoff des Zerwürfnisses sein sollte, sondern die Ursache der Eintracht, da er natürlich vorher sah, dass ihn, wenn er den Arglosen nicht mit dem Schutz seiner Befehle umgebe, schnell als Köder der Trennung euer Gift dahinraffen würde. Denn es steht geschrieben (Prov. 14, 15): Ein einfacher Mann glaubt jedem Wort.’ Deshalb hat er die Grenze des Auftrags (mandatum) festgelegt, die durch keine Überschreitung verletzt werden durfte.
    3. Er erteilte den Auftrag, dass der Vorgenannte (Petrus von Altinum), sobald er nach Rom geführt worden sei, zur Basilika des glückseligen Petrus eilen solle, und machte so aus dem Wunsch des Bischofs (sacerdos) einen Befehl des Königs. Wer nämlich würde nicht meinen, dass der Papst (pontifex) in dem Bereich gehorchen würde, von welchem der Fürst (princeps) glaubte, er sei ihm nicht gestattet, selbst wenn er ein Verbot ausspräche? Und er befahl, er solle den Papst (papa) dort, nachdem er von ihm begrüßt worden sei, mit dem eigenen Mund ansprechen, dass er dem Mitbischof (coepiscus) die Sklaven übergeben solle, nicht um sie irgendwelchen Foltern zu unterwerfen, sondern um sie für den Streit einer synodalen Prüfung festzuhalten.
    4. Oh Reinheit der Anordnung (praeceptum), welche, während sie den gegenwärtigen Zeiten die Fackel voranträgt, die alten Zustände in den Schatten zwingt, welche den Alten das Licht entreißt mit dem unerwarteten Glanz der Neuheit! Welcher Redegewandte hat dies einem zu Recht Armen angedichtet, und sei er auch Meinungsmacher (opinionis fabricator)?
    5. Welches Gerücht hat auf diese Weise mit erlogenen Lobeshymnen einen Herrn (dominus) reich gemacht, der gemäß der Wahrheit seiner Taten ein Bettler war? Ich spreche euch Darstellern nichts ab, deren Wohltat es zu verdanken ist, dass die Taten der Vorfahren geschmückt zu uns gelangen. Doch werde ich die Wohltaten Gottes nicht verschweigen, weil unser Fürst (princeps noster) den Schmuck der Rede stets übertrifft. Er verlangt keinen Ruhm, der Zungen geschuldet ist; was seinem Lob hinzugefügt wird, hält er für Unrecht. Schaut, mit welcher Ausgewogenheit wie in einer Waagschale der ehrwürdige Wiegemeister der Streitsachen Dinge betrachtet, so dass er, während eurer Petition künstliche Wirkung gewährt wurde, in jeder Hinsicht die Rechte der Kirche schützt.
    6. Welche Herzen genügen für diese Einschätzung, und mögen sie auch scharfsinniger als die übrigen sein? Zur selben Zeit, mit einer Unterschrift werden ohne Nachteil für die Billigkeit (aequitas) eure Wünsche erfüllt, und dieselbe Urkunde (carta) ist zum Dienst an der Religion und zu eurer Freude bestimmt. Denn die Untersuchung eines guten Herrschers (princeps) sieht voraus, dass eine sklavische Behauptung bei unschuldiger Prüfung nicht zu billigen ist. Bei der Auswahl der ehrwürdigen Richter hat er nämlich selbst Ankläger außer der Ordnung zurückgewiesen und (dadurch) den Angeklagten selbst zur Hoffnung zurückgeführt.
    1. Wir wollen indessen sehen, ob ihr, wenn das (tatsächlich) geschehen ist, ob ihr als Feinde Gottes nicht auch solche des irdischen Herrn (dominus terrenus) gewesen seid, da ihr Christus und den König mit gleicher Verwegenheit verachtet und ein Weg (ductus) der Verbrechen euch zu beiden Schmähungen führt. Der beauftragte Vorsteher (antistes) wird von der Schwelle des zu erfüllenden Befehls durch die Windungen eures Mundes weggerissen und zum Anreiz der Verwirrung wird der gemacht, der gekommen war, um für den Frieden zu kämpfen.
    2. Ohne die Schwellen des glückseligen Apostels gesehen zu haben, wird er (Petrus von Altinum), ohne zu wissen, wer er ist, bereits zum Umgang mit eurem wahnsinnigen Wüten herbeigerufen, und das, was die Pilger (devoti) aus allen Teilen des Erdkreises anzieht, wird dabei übergegangen, obwohl es in der Nachbarschaft liegt. Das Fundament der Kirchen zu betreten ist wegen eines mittelmäßigen Gebäudes (structura mediocri) ich würde das als causalen Ablativ sehen: wegen des mittelmäßigen Baus nicht gestattet.]
    3. Damals hat er die Hoffnung auf gute Früchte eingebüßt, da er von der Wurzel getrennt wurde. Ihr werdet vielleicht sagen, es werde dem Genius des Apostels etwas genommen, wenn man glaube, dass ein Bürger des Himmels an bestimmten Orten eingeschlossen werde. Denn es kann, auch wenn der Segen, denen, die danach verlangen, überall gespendet wird und Glaube und Hingabe des Bittenden die Gegenwart des Märtyrers verlangen, nicht geleugnet werden, dass man dem Boden der Geburt mehr Sorgfalt zukommen läßt und dass Orte größere Zuneigung erlangen, von denen aus man in den Himmel übergeht. Welche Glaubwürdigkeit hat die Vielzahl der Heilungen der Behauptung bereits verliehen? Und wir ziehen nach der diabolischen Belagerung Zeugen heran, die bereits geheilt sind. 
    4. Mögen diese Ereignisse durch unseren Erlöser auch auf dem ganzen Erdkreis gefeiert werden, so ist durch die Häufigkeit doch ein nicht mittelmäßiger Adel jenes Monuments entstanden, weil durch denjenigen, der einen Menschen in einen Engel verwandelt hat, die Natur der Erde erleuchtet werden konnte. Diese Gnade habt ihr eurem Visitator mißgönnt, in dem Glauben, er würde aufhören, ein Anhänger eurer Irrtümer zu sein, wenn er das Innere der ehrwürdigen Passion berührt hätte. Sieh’ da, ihr habt in der Autorität des Königs keine Stütze! Sieh’ da, nach der himmlischen Erregung durchbohrt euch zu Recht auch der Tadel des Fürsten (principalis censura), den ihr der Verachtung preisgegeben habt.
    5. Wir wollen sehen, ob irgendeine Verteidigung bezüglich der Rechtsfrage (regularis propositio) übrig bleibt. Sie sagen: 
      ‘Er hat auch selbst Stellvertreter für andere Bischöfe (visitatores) eingesetzt, und es ist gerecht, dass er durch das Gesetz seiner Tat gebunden wird’.
      Nicht euch verfolge ich unter diesem Titel der Falschheit; nicht Worte greife ich an, die seit langem mit Lügen zusammenhängen: Dennoch sage ich, dass der Gesetzgeber durch die Grenzen seiner Definition nicht eingeschränkt wird, es sei denn, er wolle es, und dass man sich, wenn nicht der Fürst (princeps) durch die höchste Stellung gemäßigt wird, vergeblich auf das Recht beruft, das jener gegeben hat.
    6. Es ist das Gesetz der Rechtschaffenheit (probitas) und des Geistes, welches einen Menschen, der ohne Gesetz lebt, züchtigt. Auf geziemende Weise macht Aufwendungen für die Sitten (mores), wer die Disziplin nicht der Notwendigkeit schuldet. Gott wollte vielleicht, dass die Rechtsfälle anderer Menschen durch Menschen beendet werden; diejenigen der Vorsteher dieses Stuhles hat er ohne Untersuchung seinem Urteil vorbehalten. Er wollte, dass die Nachfolger des glückseligen Apostels Petrus ihre Unschuld allein dem Himmel verdanken und der Untersuchung des sorgfältigsten Prüfers ein unverletztes Gewissen darbieten.
    7. Glaubt nicht, dass diese Seelen keine Furcht vor den Inquisitoren haben, welche Gott anders als die übrigen seiner Prüfung vorbehalten hat. Bei jenem hat der Angeklagte am Glanz der Behauptung keine Stütze, wenn er den Zeugen seiner Taten auch zum Richter hat. Du wirst vielleicht sagen: ‘Das wird bei dieser Verhandlung die Lage aller Seelen sein’. 
    8. Ich werde erwidern, was für einen gesagt worden ist (Matt. 16, 18-19): ‘Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und was immer Du auf Erden gelöst haben wirst, wird auch im Himmel gelöst sein.’ Und wiederum, dass durch der heiligen (sancti) Bischöfe Stimme die Würde seines Sitzes auf dem ganzen Erdkreis verehrungswürdig geworden ist, da jenem, was immer die Gläubigen betrifft, überall unterworfen wird; denn sie wird als Haupt des ganzen Körpers bezeichnet, über welche (Würde) mir durch den Propheten gesagt zu sein scheint (Jes. 10, 3): ‘Wenn diese erniedrigt wird, bei wessen Hilfe werdet ihr Zuflucht nehmen, und wo werdet ihr euren Ruhm zurücklassen?’
    1. Was, wenn es mir, der ich unreine Lippen habe, die nicht, wie es Jesaia gewährt worden ist, mit den Wellen entzündeter Kohle gereinigt worden sind, erlaubt wäre, zum Schutz der Privile­gien seines Besitzes, den Apostel Petrus zu evozieren, und er (das), was er mit Gebeten betreibt, mit der Stimme verkündete? Wenn ihr ihn hörtet, würde er folgendes sagen (Ps. 4, 3-4):
      “Söhne der Menschen, wie lange (noch) seid ihr träge im Herzen? Wozu liebt ihr die Eitelkeit und verlangt nach der Lüge?
    2. Ihr sollt wissen, dass der Herr seinen Heiligen (sanctus) erhoben hat.’ Weshalb begehrt ihr, die durch Christi Hände stabilisierten Fundamente zu untergraben? Weshalb stoßt ihr mit dem Rammbock gegen den altehrwürdigen Genius jenes Besitzes, der sich durch Sünden verjüngt, und unterwerft mich durch das Zerreißen der kirchlichen Herde nach dem Fleische einer neuen Leidensgeschichte? Es ist eine unerhörte Art von Sakrileg, die ihr mit der Ehre vorgetäuschter Religion übermalt. Es entehrt die Ehrfurcht vor dem ehrwürdigen Namen, wer sich als Helfer für die Vergehen anbietet, die er gegen Gott schleudert. Es ist eine Art von Schmähung, einem Erhabenen gleichsam Tröstung zu spenden, nach dem Apostel (Rom. 14, 4): ‘Wer bist du, der du über einen fremden Sklaven urteilst?’
    3. 98. Was haltet ihr unkundige Ohren zum Besten und macht das Aussehen der Strafe größer als das der Schuld? Wenn ihr Vergehen Haß schuldet, reinigt euch! Warum verurteilt ihr Verbrechen mit größerer Freiheit, als sie zu vermeiden? Es klagt sich selbst an, wer durch die Dienste der Hurerei (fornicatio) den Ehebruch eifrig betreibt und durch die Unzucht der Seelen diejenigen des Fleisches anklagt. Ihr erinnert euch doch wohl, dass geschrieben steht (Ps. 72, 27): ‘Verflucht sind alle, die huren fern von dir’. Durch eine schändliche Bindung wird daher vom Glanz seines Herrn gelöst, wer den himmlischen Satzungen mit weniger als reiner Treue dient.
    4. 99. Der Glanz unseres Besitzes ruft bei euch, wie ich sehe, Neid hervor, den ihr mit gespielter Entrüstung auf Übel des Besitzers übertragt, während ihr euch mit finanziellen Aufwendungen (impendia) abmüht. Ihr habt euch vorgenommen, die Burg, in der ihr deutlich zu erkennen wart und die durch häufige Stöße ins Wanken geraten wäre, wenn ich mich nicht dagegen gestemmt hätte, zu untergraben und die Größe des im Himmel gefertigten Baus durch seinen Einsturz zu zeigen.
    5. 100. Hütet euch, von eurer Niederlage einen Sieg zu erwarten, hütet euch, den durch Überwinden den Triumph zu verlieren, der durch meine Mühen und meinen Schweiß errungen wurde! Was zum Siegeszeichen führt, habe ich erreicht: was euch erlaucht (illustres) machen könnte, auf dem Stuhl zusammengetragen. Euch hat jene Fackel Glanz (claritas) verliehen, die ihr mit Viperngift glaubt auszulöschen. Es wird zum eigenen Verderben entzündet, wer so wütet, dass er die Keime oder Pflanzen seiner Gnade abschneidet. Zorn, der sich freier betätigt, als gerechtfertigt ist, schadet dem Urheber mehr als den anderen. 
    1. Die von euch behaupteten Vergehen des Symmachus, wenn es sie gibt, halte ich in derselben Erwartung aus wie ihr. Es ist ein Frevel (nefas), wenn der Sünder die Geduld des Richters nicht liebt.

    Was, wenn nicht Rache, fordert derjenige heraus, der, während er auch selbst Angeklagter ist, bei einem anderen wegen der Säumnis der Strafe Anklage erhebt? 

    Diese Antwort schulde ich jenen eifrigen Bemühungen, da ich mich erinnere, dass Gott gesagt hat (Gen. 8, 21), der Mensch sei zur Bosheit geneigt und alles Fleisch eine Freundin der Sünden.

    1. Ich will nicht, dass aus Anlaß einer Person ein Besitz, der unzähligen eine Würde verleihen wird, in Verachtung gerät und auch nicht, dass, während ein Mensch verfolgt wird, das göttliche Gesetz gebrochen werde. Glaubt mir, wenn jene Dinge zutreffen, die ihr behauptet, habe ich ein Auge darauf, da ich auch in den Fällen, über die nichts Derartiges gesagt worden ist, die Sachlage inspiziert habe. Es irrt, wer glaubt, derjenige, der Gott am nächsten steht, könne getäuscht werden (Rom. 12, 19): ‘Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr’. 
    2. Ihr einstmaligen Söhne, deren geistliche Geburt den Bauch beschwert hat, kehrt zur Eintracht zurück, der ihr abgeschworen habt! Im frommen Bausch nimmt euch, wie es bis dahin gewesen war, die Mutter Kirche auf. Niemals kommt Besserung zu spät. Sie versteht es, lange auf diejenigen zu warten, die mit ungeheurer Mühe gesucht worden sind; es ist nicht ihre Art, diejenigen als wertlos zu verachten, die zu hohem Preis erworben worden sind. Der Weg zum Heil hat viele Stufen: Mit Ausnahme des Verzweifelnden wird keiner ausgeschlossen. Die Frucht der Nachsicht ist dem Kranz am nächsten. 
    3. Hütet euch, Papst (papa) Symmachus durch euren Druck zu erfreuen: Wenn er schuldig ist, glaubt mir, dann folgt, sobald der Dienst des menschlichen Angriffs aufgehört haben wird, das göttliche Urteil bald.
      Wird dem Vorgenannten in der Waagschale des glänzendsten Richters (cognitor) nicht entweder Strafe oder Belohnung geschuldet? Verlangt von mir nicht Syllogismen und Figuren der Rede! Ich benutze noch das alte Netz, auch wenn ich kein Mensch mehr bin (post hominem), und habe das von den Weisen des Diesseits (saeculum) verlachte Boot nicht verlassen. Es trägt mich durch die Meere der Welt (mundus). Reich macht das beim Menschenfang bewährte Netz, das ihr seht. 
    4. Kommt also zurück, denn die Flucht hat euch nicht fortgerissen, als ihr noch Bauern (agrestes) wart. Lauft zum Schafstall, um euch nicht den Anschlägen der Wölfe auszusetzen, damit ihr nicht durch Säumnis die Gunst derjenigen verliert, die aus freien Stücken kommen, denn auf die verachtete Einladung folgt die Hölle. Wenn ich als Vater süße Milde (dulcedo) und als von Gott eingesetzter Lehrer Strafe geschuldet habe, habe ich es erfüllt. 
    5. Sorgt dafür, dass keinen wie auch immer gearteten Winkel meines Kreuzes ein spärlicher Kranz von Priestern (levitae) umgibt, damit die auch für Außenstehenden beklagenswerte Verlassenheit nicht noch lange herrscht, damit die Mühe meines Unterleibs nicht statt der Unfruchtbarkeit eine feindliche Familie geboren hat und die zahlreiche Nachkommenschaft durch boshafte Handlungen die Unfruchtbarkeit des Gebärenden zeigt. Es ist wenig, was ich beansprucht habe, doch bedenkt wie viel davon abhängt. ‘Kommt, Söhne, hört mich: Ich lehre euch die Furcht des Herrn’ (Ps. 33, 12). 
    6. Schaut auf Rom: Aus der Knechtschaft der Götzenbilder wurde Rom ohne den Preis des Goldes, ohne den des Silbers durch das Vergießen des Blutes Christi befreit für das er auch meinen, seines kleinen Dienersm, Tod aufzuwenden befohlen hat, (für Rom), das über lange Zeit den berühmten Heiligtümern (delubra) Verehrung (cultus) erwiesen hat, das lange in den Bildern der Dämonen den Schrecken verehrt hat, den eine meisterliche Hand mit hoher Belastung des Vermögens eingeflößt hatte, (Rom), das zu einer Amtsgewalt göttlicher Wesen (numina) aufgeblickt hat, die für den Preis von Edelmetall erkauft war, für das die sehr geübte  Künstlerhand erhabenere Götter erschaffen hat und (das) eine Göttlichkeit (divinitas), welche der Mensch durch sein Werk verliehen hatte, bei den Menschen besaß, die größer als die Gestalt Gottes. 
    7. Sieh’ an, schon sind die Götterbilder dank eines gnädigen Christus in neue Öfen gewandert. Sieh’ an, schon erhält euer Brauch vom überholten Aberglauben, worüber er sich freuen kann, wenn aus dem alten Donnernden (Iuppiter) mit Recht neue Gefäße hergestellt werden. Warum strengt ihr euch an, diese Ruhe zu stören? Weshalb beschädigt ihr mit eitlen Absichten den glücklichen Zustand (felicitas)? Es gibt keine Entschuldigung für dieses wahnsinnige Wüten (furor), wenn ihr glaubt. Es macht keinen Unterschied, auf welchen Wegen derjenige zum Fürsten der Welt eilt, der von der heiligen Einheit (sancta unitas) abfällt. Fette Hostien opfert für den Teufel, wer die Kirche betrübt. 
    8. Verschmäht daher die eitlen Fallstricke: Die Liebe des Friedens findet eine einfache Verteidigung. Überaus bewaffnet ist, wer die Geschosse verachtet, welche der Gegner der Eintracht bereitstellt. Gegen alle Geschosse des Streits genügt der nackte Widerstand des Glaubens. 
      Weshalb führt ihr die Zeiten des Eulalius und des Bonifatius an, wobei ihr Trost für die Übel sucht? Weshalb bringt ihr mit Zuwachs an Vergehen alte Befleckungen vor und erreicht durch bösen Willen, dass dem Alter nicht erlaubt wird, Vergehen zu bedecken?
    9. Damals war die Ursache der Zwietracht eine andere, und wenn ich nicht durch das Erzählen gezwungen würde, vergangene Ereignisse zu ertragen, würde ich zeigen, dass ihr aus dem Vergleich der Taten keinen Trost ziehen könnt, denn ich habe jene, die ein dem Streit folgender Eifer zum pontifikalen Gipfel emporgehoben hatte, beide zurückgewiesen, diesen (dagegen) erwählt. Von jenen nämlich hat mir, wie der Ausgang bezeugt, keiner gefallen;
    10. habe ich von ihnen denjenigen, der sich gegen die Regeln stemmte, zum Flüchtling gemacht, denjenigen, der auf rechtmäßige Weise befördert worden war, gegen den Widerstand der Welt (mundus) gerettet. Ihr wißt das, und es nicht neu, da, als jener verjagt und dieser bestätigt wird, eure Zustimmung für mich gekämpft hat. 
    1. Weiter:
      Weshalb schädigt ihr zu eurem Verderben die priesterliche Versammlung (sacerdotale concilium)? Warum zerreißt ihr das Urteil, in welchem von Christus inspirierte, himmlische Orakel offenbart wurden und die Stimme der Bischöfe (pontifices) Dolmetscher zwischen Gott und Menschen war? Warum bereitet ihr der ganzen Kirche einen Schmerz, obwohl nur in einer (Kirche), wenn auch der ersten, ein Vergehen vorlag? 
    2. Denn jener Senat (curia) des Himmels, vermehrt durch die Mitgift verschiedener kurulischer Sitze (variae curules) und geschmückt mit viel Gold und Purpur unseres Erlösers, hat bei dieser Entscheidung nichts aus eigenem Antrieb hervorgeholt, sondern hat dem göttlichen Reich durch den Einsatz der menschlichen Zunge gedient. Er erkannte, dass nicht ihm zugehört, was er auf Drängen hin beschlossen hat. Er hat an diesem Urteil keinen Anteil, es sei denn das, weswegen er sich allein wegen der Hingabe (devotio) beglückwünscht. Die Schreibfeder spürt eine fremdartige Sprache, indem sie sich allein davon Ruhm nahm, was sie als ihr Eingeflößtes bewahrt und verehrt hat. 
    3. Weshalb habt ihr aus diesen Beispielen des Evangeliums eine Verleumdung gemacht? Wie über euch geschrieben steht (Jes. 28, 7): ‘Sie irrten in Trunkenheit, sie erkannten den Sehenden nicht, sie mißachteten das Urteil’. Denn indem ihr die Erwähnten mit profanen Worten schlagt, verratet ihr eure Unwissenheit und euren Neid. Diese Leute glauben also nicht an die Auferstehung des Körpers, die sie verkünden, und haben sich unter die ansteckenden Seuchen der Häretiker gemischt? Diese verfolgen im Herzen etwas, dem sie mit der Zunge abschwören? Weil sie also gesagt haben, derjenige sei zu fürchten, der den Körper töten und die Seele in die Hölle schicken könne, deswegen haben sie Lehren formuliert, die dem Glauben fremd sind?
    4. Siehe, welche profunde Unwissenheit! Wahrlich, glückseliger Lukas, durch dessen Behauptung ihr widerlegt werden könnt, der sagt (Luc. 12, 5): ‘Fürchtet den, der, nachdem er den Körper getötet hat, die Macht besitzt, die Seele in die Hölle zu schicken’. Welcher Raum bleibt hier für Irrtum, wo übereinstimmende Worte des Exempels und der Historie im selben Zuge zusammenkommen, 
    5. und ist das, was vorgebracht wird, nicht verschieden vom katholischen Verständnis und den Lesungen (der Schrift)? Niemals ist es gut, Knoten in einer Binse zu suchen. Verkündigende Nebel hüllen den Urheber des Lichts nicht ein. Sie glauben also nicht an die Auferstehung des Fleisches, weil sie bekennen, dass der Körper getötet werden kann, daß die sündige Seele der Hölle übereignet wird? Euer Herz, das durch dichte Dornsträuche erstickt wird, strebt danach, seine inneren Laster anderen zuzuschreiben.
    6. Ihr prahlt, sogar die Schriften des Johannes würden verletzt, weil aus seinen Worten gesagt worden ist (1. Joh. 1, 8): ‘Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, sind wir Lügner, und in uns ist keine Wahrheit’. Ich beklage mich nicht über die Verschiedenheit der Kodizes. Sind also die Mahnungen des Apostels deswegen verstümmelt, weil sie nicht hinzugefügt haben: ‘haben wir uns selbst getäuscht’ und weil sie hinzugefügt haben: ‘sind wir Lügner’, in Unkenntnis nicht bloß der göttlichen, sondern auch der menschlichen Vernunft? Wer die Wahrheit nicht besitzt, wird mit Recht für einen Lügner gehalten, und mit nichts anderem als Falschheit ist angefüllt, wer als leer an Rechtschaffenheit bekannt wird. 
    7. Doch dies ist in eurem Fall nicht durch das Gebet der Rede zu heilen, sondern durch das (Gebet) der Seufzer, und für euch sind nicht mehr Worte als Tränen aufzubringen, weil offenkundig ein Übeltäter (nocens) ist, wer den Unschuldigen entweder das Verdienst oder den Namen des Schuldigen entgegensetzt. Die übrigen Punkte eurer Einwände werde ich nicht aufrollen: Es ist besser, mit Schweigen zu begraben, was zu verurteilen ist. Es verleiht den Schandtaten Adel, wer ihr Gerede (ventilatio) durch häufigen Bericht an spätere Ohren überliefert. Man soll dem Ausspruch des glückseligen Paulus folgen, der durch seinen Schüler alle ermahnt und ruft (2. Tim. 2, 23): ‘unnütze Fragen meide’.
    8. Denn in euren Behauptungen steckt vieles, was die Liebe zur Sünde in einer Weise mit schmutzigen Armen umfaßt, dass es keine Erwähnung verdient. Die Charakterlosigkeit entehrt sehr vieles, während eure Worte mit darunter gespannten Gewichten ausgeweidet werden und in Religionssachen eine windige Rede komponiert wird, welche, da sie eine Schwere besitzt, die zum Windhauch paßt, in der Fülle der Spreu den Speichern keinen Weizen einbringen wird, während sie eine an Erträgen der Halme unfruchtbare Fülle hervorbringt und den Bauern eine Hoffnung auf Fülle der Pflanze vortäuscht. Über das, worin die Wurfschaufeln nichts Brauchbares finden, was dem Feuer geschuldet wird und im Brand zugrunde gehen wird, darüber steht geschrieben (Ps. 75, 6): ‘Die Männer träumten ihren Traum im Schlaf, und sie fanden nichts’.
    9. Nichts ist süßer, ihr Teuersten, als der Friede, wenn seinen Geschmack nur nicht eine mit Bitterkeit angefüllte Brust ausschließt. Ich hätte zwar eine kürzere Ermahnung geschuldet als diese, welche die nicht geringe Sorge um euch und eine lange bei euch im Streit geübte Stirn zu einer weitschweifigen gemacht hat. Es ist üblich, dass viele Handlungen der Sündigenden nicht durch strenge Ansprache nicht korrigiert werden, und sehr viele verlangen die Ausführlichkeit, die sie in den Vergehen hatten, in den Reden des Ermahnenden.
    10. Mir ist es genug, der Sorge um euch und den himmlischen Geboten gehorcht zu haben. In dem, was folgen wird, werden ich keinen Raum für Reden lassen, weil ich das berichte, dass Rom, das Haupt der Welt, durch eure Angriffe zu Boden geworfen worden ist und sieht, dass der nährende Sitz des Pontifikats wie der letzte Schemel verachtet worden ist”.
    1. Dieses Wort nahm der glückselige Paulus auf und ertönte mit jenem Freimut (libertas), dessen er sich stets bediente,indem er dem Fürsten der Apostel Milde vorwarf, weil er schwankenden und niedergedrückten Geistern noch immer die Zuneigung eines Vaters bewahrte und gegen Wunden, die in die Tiefe gedrungen waren, nicht mit dem heilenden Eisen vorging; dabei lehrte er, dass das Innere der Krankheiten mit Klingen wegzuschneiden und bei einem offensichtlich verzweifelten Zustand eine heilbringende Wunde zuzufügen sei, damit nicht, während die Hand des Arztes durch Gottlosigkeit (impietas) vom Schneiden des verdorbenen Fleisches zurück­gehalten wird, durch die Nichtbenutzung der Klinge (telum) das Ende eingeladen wird, weil die Rechte, während sie den Kranken Schonung gewährt, die zu Heilenden tötet, und der Unterschied nicht groß ist, ob man den Tod zufügt oder zuläßt. Wer den Tod von Siechenden nicht verhindert, obwohl er es kann, fügt ihn zu. Mit diesen Worten öffnete er die Schwelle des Mundes:
    2. “Wer du auch urteilst: dadurch dass du über einen anderen urteilst, verurteilst du dich selbst. Denn du betreibst dasselbe, worüber du urteilst. Wir wissen aber, dass das Urteil Gottes gemäß der Wahrheit bei denen ist, die solche Dinge tun, und noch einmal (Rom. 14, 22): ‘glückselig, wer nicht verurteilt, worin er sich selbst billigt’. Was, zum Teufel, ist das für eine Logik, dass der verkündet, man dürfe nicht stehlen, der stiehlt und seine an Schamgefühl verschwenderische Stirn in die Wolke eines Angriffs auf einen Fremden kleidet? 
    3. Niemand übernimmt zu Recht die Rolle eines Mahners außer dem, der die Irrtümer durch seine Taten verdammt und die Liebe zur Unschuld durch seinen Lebenswandel zeigt. Denn es liegt auch bei Zöllnern (publicani), Laster, die mit ihren Sitten befreundet sind, in der Rede zu verurteilen und mit sehr verbrecherischen Diensten der Zunge zu bestrafen, was sie lieben, so als gäbe es nicht eine gewisse Art von größeren Vergehen: einer Sache mit den Lippen Zuneigung zu erweisen, die man im Geiste verachtet, und das Gift der Veranlagung mit dem Honig der Rede zu verhüllen. 
    4. ch betreibe dies so, als ob, wenn euch Schamgefühl, Sittsamkeit und Schönheit euch teuer wären, es erlaubt wäre, den Lehrer anzuklagen und gegen den Erwählten die Bisse eines neidischen Mundes zu richten, obwohl ich in Voraussicht der Zukunft in einem an euch gerichteten Brief mit voller Stimme gemahnt hatte (Rom. 8, 33): ‘Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Es ist Gott, der rechtfertigt. Wer ist es, der verdammt?’ und noch einmal (Rom. 14, 22): ‘Oh Mensch, der du diejenigen verurteilst, die solche Dinge tun, und du tust jene Dinge: glaubst du, dass du dem Gericht Gottes entkommen wirst?’ Oder verachtest du die Reichtümer seiner Güte, Geduld und Langmut? 
    5. Ihr klagt die Bosheit an und seid selbst voll an Unbilligkeit, Hurerei, Habgier, Nichtsnutzigkeit, Neid, Totschlag, Verdammung, Arglist und Boshaftigkeit, arrogante und hochmütige Erfinder von Übeln, die dem Vater ungehorsam, ohne Verstand, ohne Ordnung, ohne Zuneigung, ohne Barmherzigkeit. Ihr lehrt, niemand dürfe ich unter die Hurenden mischen, und folgt entweder dem Ehebrecher Laurentius oder geht ihm voraus, (ihr,) durch die jener entweder die Gifte, die er besaß, anwendete oder diejenigen erhielt, die er ausgießend zeigte, erhielt. 
    6. Nach diesem Schandfleck einer verführerischen Gemeinschaft und einer auf dem gesamten Erdkreis zu verfluchenden Seuche macht ihr Priestern Gottes Vorwürfe, als wären sie (euch) durch eine alltägliche Gemeinschaft gleichgestellt. Ihr meint, diejenigen seien Angeklagte, die sich der Gemeinschaft eines Mannes anschlossen, der durch keinen Zeugen überführt wurde, und folgt einem Mann, der mit dem ganzen, ich möchte nicht sagen, Griffel, sondern vielmehr Schwert einer kirchlichen Anklage (inscriptio) durchbohrt wurde. 
    7. Was erlaubt ist, ist nicht erlaubt, und was nicht erlaubt ist, ist erlaubt. ‘Wie Iamnes und Mambres der Wahrheit widerstanden, so widersteht auch ihr, im Geist verdorben bezüglich des Glaubens, Verräter, dreist, aufgeblasen, liebt ihr die Lust mehr als Gott und habt zwar den Anschein der Frömmigkeit (pietas), verleugnet aber ihre Kraft (virtus).’ (2. Tim. 8 + 4-5). Oh Kraft des inneren Schmerzes, der nicht leisten kann, was er sich vorgenommen hat, der den in den inneren Eingeweiden steckenden Wunsch zu reden, den er befohlen hat, abbricht. Ich werde mit euch nicht weiter reden. Was von der Rede noch übrig bleibt, werden Klagen hinzufügen.”
    8. Wenn ihr danach unter den Händen der Ärzte über die Pflege verärgert seid und euch keine Erwägung des Heils von eurem Beginnen zurückführt, dann achtet wenigstens auf eure Stadt, die Mutter des Erdkreises. Sie selbst wendet sich nach euren Verteidigern, den Aposteln, trauernd an euch, sie selbst ruft euch an und hebt an, wenn noch etwas Frömmigkeit übrig ist, ihre Rede zu halten:
    9.  “Mich haben die Tempel (templa) des höchsten Gottes ansehnlich gemacht, seit die Verehrung der Heiligtümer (fana) verschmäht wird und der Glanz des neuen Lichts sich freut, (mich), welche nach den schmutzigen und vom vielen verwesenden Blut der Opfertiere verunreinigten Schreinen (sacella) das vom Herrn und den Aposteln vergossene Blut vom Blut der Opfertiere gereinigt hat, welche die nach langer Zeit wiedergewonnene Gesundheit dazu gebracht hat, die Tempel der Fieber zu verachten, welche das Meßopfer (oblatio) von Opfertieren (victimae) befreit hat, welche den Frieden Christi durch die Feindschaften gegenüber den Götzenbildern erworben hat, welchekaum zahlreichere Geschenke besessen hat als göttliche Wesen, 
    10. welche ihre eigene Religion durch vielfältige Ergebenheit (devotio) zur Bettlerin machte, welche die Not niederdrückte, solange sie häufige Wohltaten von ihren Göttern verlangte, welche die Curii, Torquati und Camilli, welche die Kirche nicht wiedergeboren hat und die übrigen als unfruchtbare Mutter einer höchst zahlreichen Nachkommenschaft in den Tartarus geschickt hat, als ich mit erschöpften Eingeweiden auf schlechte Art schwanger, erschlafft war, weil das gerettete Vaterland die Fabii nicht freikaufte, (weil) den Decii der mit großem Schweiß errungene Ruhm nichts eingebracht hat. Zu Boden geworfen sind die Unschuldswerke ohne Glauben. 
    11. Den Verbrechern (criminosi) zugezählt wird Scipio, der die Billigkeit (aequuum) aufs sorgfältigste beachtet hat, weil er Christus nicht kannte. Ich würde meinen Griffel durch das gesamte Kindheitsalter (infantia) führen, wenn die Brust der ihrer Kinder beraubten (Roma) es zuließe. Wer indessen die Vergangenheit der Klage wieder liest, scheint die Zeiten der Tränen zu wünschen. Von niemandem glaubt man, dass er diejenigen hasse, durch deren Bericht er nicht verletzt wird. Wer ein trockenes Gesicht bewahrt, wenn er vom Begräbnis der Kinder berichtet, wird mit sicherem Zeugnis der Grausamkeit angeklagt. 
    12. Jene Nachkommenschaft (posteritas) hat wegen ihrer Verdorbenheit mehr Kummer gebracht als Freude durch ihren Erwerb. Wir wollen dennoch lesen, durch welche Erfolge diese Umstände geändert worden sind: Sieh’ da, in jenem Heiligtum der Freiheit (sacrarium libertatis) findet man nichts von knechtischer Verehrung der Götzenbilder (idola)! Sieh’ da, der Kranz der Ehren, der Genius des Erdkreises, die römische Blüte, sie tritt in voller Heiligkeit die Altäre nieder, die sie lange verehrt hat. Sieh’ da, schon wird mein Senat (curia) zum Himmel gerufen, gelobt, aufgenommen, und ich kann nicht sagen, ich hätte meine Nachkommenschaft nach der Gnade der Taufe verloren, mag sie auch ein plötzlicher Tod weggenommen haben.
    13. Viele Besitzer von konsularischen Gewändern und Sitzen (trabearum et curulium possessores) umarmt der höchste Herrscher ohne Verlust an Verehrung (cultus) oder Rang (dignitas). Beinahe erwirbt die Freigebigkeit eines irdischen Triumphes bereits die himmlische Liebe. Und dies trägt zur Gnade Christi bei, weil ihr bemüht seid, der Welt verehrungswürdig zu sein. Ich lüge, wenn nicht bedürftige Scharen als Hilfe für ihr Elend das Kommen eures Konsulats erwarten. Denn euer Purpur, mit welchem ihr den Namen des Jahres auszeichnet, vertreibt den Elenden durch die Schenkung von Kleidern die reißende Kälte.
    14. Schon bald bringen die Zierden der Konsullisten (fasti) wieder Hilfe gegen die Notlagen, und seit der alte Unglauben abgelegt worden ist, werden bei dieser Vorbereitung Verluste des Vermögens zu Gewinnen der Seelen. Sieh’ da, jetzt schicken eure Schwellen weiß Gewandete (candidati) zum Tragsessel des apostolischen Bekennisses (confessio), und unter reichlichen Tränen, gefordert von der Freude, verdoppeln sich die dargebrachten Geschenke durch die Wohltat Gottes.
    15. Wer wird zu einer Zeit, in der wir die Euter mit wertvollen Geburten trocknen, in der die ewige Schöpferin unsere Nachkommenschaft jetzt aufnimmt, um sie wiederum zu gebären, deren Leib nach der ersten Geburt mit hochbetagten Föten gefüllt wird, die meine Nachkommenschaft wieder gebiert und dadurch bewirkt, dass sie mir lieb ist, die bewirkt, dass diejenigen, die zu ihr kommen, das Alter ablegen und die Gebrochenen zu den Ursprüngen des Lebens zurückkehren, wer, sage ich, wird dieses Glück gegen eine Störung (interpellatio) eintauschen?
    16. Wer befiehlt, dass mir durch Streit, der durch Geist der Schlange hervorgerufen ist, die Wohltaten eines goldenen Zeitalters verlorengehen? Wer bläst (mir) bei meiner Erneuerung heimlich den Untergang ein und verleiht den Feindschaften mit dem Anschein schmeichelnder Stirn Kraft? In dieser Angelegenheit erkenne ich kein vornehmes Geschlecht (generosa prosapies) an. Wenn es dennoch Leute aus den höchsten Kreisen (summi) gibt, welche dieser Sturm niedriggeborenen Aufrührern (tempestates) den zugesellt hat, so werden sie mit der Teilhabe an Verbrechen befleckt, obwohl andere die Urheber sind.
    17. Der Glanz des Blutes, auch wenn er in die Gemeinschaft der Verbrechen gerät, versteht es doch nicht, sich zum Führer der Sünder zu machen. Er trägt vielleicht Schuld wegen der vernachlässigten Vorsicht, nicht aber bekommt er eine verdiente Strafe wegen der Führung bei den Schandtaten. Mit einer gewissen Scheu wird derjenige den Delinquenten angereiht, der zu einem Streit, der über die Anfänge hinausgewachsen ist, hinzugerufen wird. Nicht verdient die Verzweiflung des Verlorenen, bei dem lediglich fahrlässige Leichtgläubigkeit (credulitas) mißbilligt wird.
    1. Euch sehe ich vielmehr, die Brut der Gassen, euch erkenne ich, in denen sich die Nichts­würdigkeit der Natur passende Sitten erzeugt hat, deren hoher Rang (claritas) darin besteht, degeneriert zu sein, die ihr euch wegen des Titels erlogener Frömmigkeit über die Straflosigkeit eurer Laster freut, deren Lippen niemals der Geschmack von Ehren oder Ruhe berührt hat, die jedes göttliche Recht verletzen, indem sie ihrem Ursprung gehorchen, die aus Schlupflöchern und Höhlen hervor­geholt wurden, wie die gegenwärtige Angelegenheit beweist.
    2. Wer wußte vor der Anzet­telung dieses Unheils, wer ihr seid? Lange habt ihr Verstecke gepflegt, durch die euch die Nacht der Zeugung verborgen hatte. Geht lieber zu eurer geliebten Verblendung zurück, laßt uns das heitere und ewige Licht. Gewährt (uns) die Eintracht der Kirche entweder durch Abwesenheit oder durch Besserung. Falls ihr hingegen zu den glänzenden Geschlechtern (splendidae prosapies) gezählt werden wollt, werde ich das an der Besserung eurer Handlungen erkennen.”

    [1] Wir folgen der Konjektur Vogels