- Aufzeichnung (anagnosticum) des Königs
Zunächst soll man die Bischöfe begrüßen und ihnen sagen:
Wenn es mir richtig erschienen wäre oder die Gerechtigkeit verlangt hätte, daß ich die Sache, die verhandelt wird, hätte anhören müssen, dann hätte ich sie mit den Edlen (proceres) meines Palastes verhandeln und entscheiden können, wie es Gott gefallen und der Nachwelt nicht unwillkommen gewesen wäre. Aber weil es eine Sache Gottes und der Kleriker ist und weil ich deswegen auf Bitten des Senats veranlaßt habe, daß die Vorsteher aus den verschiedenen Provinzen zusammenkommen, auf daß sie mit Gott als Vermittler gemäß dem, was ihr im Evangelium und beim Apostel an die Korinther lest, dies befolgt. Denn wenn ihr nach meinem Sinn fragt, dann befolgt ihr, wie oben gesagt, was Gott im Evangelium vorschreibt.
Wenn es euch richtig erscheint, dann beendet den Rechtsstreit ohne Erörterung. Gleichgültig ob mit oder ohne Erörterung: Urteilt, wie es euch richtig erscheint! Fürchtet nicht meine Person, die ihr vor dem Angesicht des Herrn Rechenschaft ablegen werdet: Es kommt darauf an, daß ihr Senat, Klerus und Volk in Frieden entlaßt und schreibt, welches Urteil ihr gefällt habt. Wir nämlich werden dann eure Anordnung billigen, wenn ihr Volk, Senat und Klerus den unverkürzten Frieden wiedergebt. Wenn ihr dies aber nicht getan haben werdet, werdet ihr zeigen, daß ihr eine Partei begünstigt habt. Ihr sollt niemandes Person vor Augen haben, obwohl ihr, wenn jemand versuchen sollte, euch gewaltsam aufzuzwingen, was ungerecht ist, unter Verzicht auf eure Sachen die Gerechtigkeit bewahren müßt. Denn viele Bischöfe eurer und unserer Religion sind der Angelegenheiten Gottes wegen aus den Kirchen und aus ihren Sachen verjagt worden und leben dennoch. Ich befehle nicht bloß, sondern bitte zugleich, daß ihr tut, was Gott befohlen hat und was ihr im Evangelium und beim Apostel lest. Wenn ihr den Rechtsfall jedoch erörtert, und sei es auch mit einer gewissen Erregung, beurteilt ihr den Rechtsfall besser.
Wenn ihr ihn dagegen ohne Erörterung abschließt, gebt ihr den Priestern ein Beispiel für schlechten Umgang miteinander.
Als er dies sagte, führte er folgendes Gleichnis an:
Aspar wurde einmal vom Senat gesagt, er solle selbst Kaiser werden; der soll folgende Antwort gegeben haben: ‘Ich fürchte, daß durch mich eine Gewohnheit im Reich entsteht’. So sage ich, damit die Priester nicht zürnen, auf daß nicht durch sie, wenn sie keine Erörterung abhalten und auf diese Art ein Urteil fällen, nicht allen Priestern eine allgemeine Gewohnheit des Sündigens gewährt werde.
Falls sie die Sache erörtern wollen, werden Arigern, Gudila und Bedeulf ihm einen Eid leisten, daß er sicher hinausgelangen wird. Aus der Kasse (arca) (des Stadtpräfekten) oder aus dem Haushalt im Lateran (domus Lateranensis) wird ihm die Synode so, wie man geurteilt haben wird, Erstattung gewähren. Die Strafe, auf die sie hoffen, sollen sie nach der Erörterung entweder selbst vollstrecken, oder wir wollen eine Person beauftragen, welche die Vergehen nach den Gesetzen verfolgen soll.